Hans Otto Theater

"Volpone": Endspiel mit viel Glocken-Gedröhn

Ein venezianischer Dreckspalast, ein Elendsquartier. Hier treibt Volpone - zerlumptes Gerippe und reichster Herr der Stadt - sein Unwesen: Durch verlogene Erbschaftsversprechen führt das Aas die geldgierige Society an der Nase herum.

Das Verwesungs-Ambiente (Bühne: Harald Thor) sowie der Oberbösewicht als Ekel-Zottel stellen klar: Regisseur Tobias Wellemeyer sieht im Hans-Otto-Theater Potsdam Ben Jonsons grelle Gangster-Satire "Volpone" als finsteres Endspiel von lauter Verrottenden und Degenerierten. Womöglich gar, unter Glocken-Gebimmel und Requiem-Gedröhn, als zynisches Warnstück vorm Weltuntergang.

Eine durchaus ins Höhere greifende Grundierung dieses Typen-Theaters von anno 1605 mit klarer Moralansage und sauber pessimistischem Menschenbild. Das erinnert ganz offensichtlich an Wellemeyers grandios opernhafte, wild slapstickige Potsdamer "Don-Juan"-Inszenierung (Moliere): Da machte der Menschen und Material verschlingende Wüstling den grenzenlos geilen Stallmeister im Saustall Welt und langte ungeniert noch nach den Sternen, selbst wenn die in Höllen hingen.

Ein derart kühn gedachter Griff ins Universelle, Menschheitliche, der Ben Jonsons gut und schlicht geschmierte Goldrausch-Groteske womöglich erst wirklich aufregend gemacht hätte, der gelang dem Regisseur diesmal nun nicht. Es blieb bei einer sattsam bekannten Illustration des Unsittenbildes Kapitalismus, was ja immerhin nicht ganz unzeitgemäß ist.

Also eine zünftige elisabethanische Commedia dell' arte. Keine Grand Opera der Apokalypse. Dafür Klamotte. Potsdam wolle sich endlich mal wahnsinnig amüsieren, das war wohl intern die Ansage. Es bekam sein Amüsemang. Und jubelte! Über den körperlichen, teils chaotischen Einsatz des Ensembles. Über Blut, Wasser, Pisse, Rotwein, die in Strömen flossen. Dazu wurde gerockt und gehottet, geträllert und gevögelt. Und es gab jede Menge Keilerei.

Der ölige Fuchs Volpone (Wolfgang Vogler) liegt scheintot grinsend eingesargt im schneeweißen Elvis-Dress. Und sein Parasit Mosca, die elende Schmeißfliege (Holger Bülow), näht sich - tollster Gag! - nach einer Messerstecherei das Loch im Bauch selbst zu mit Nadel und Faden. So rattert und albert sich die Nummern-Revue der Betrüger und Betrogenen, der Gehörnten und Geschlagenen, der Schlaumeier und Idioten leicht länglich und gar nicht locker über die Runden.

Überraschend kommt der herrliche Komödiant Christoph Hohmann in einer feinen Nebenrolle daher. Ansonsten: Eine überraschungsarme Gangster-Show. Denn wir wissen ja von Anfang an: Die Gier schluckt jeden Köder. Na und? Und eben Lustigkeit, teils aufwendig angeschaffte, teils echt witzige, teils bloß popelige. Mit mehr oder weniger trefflichen Karikaturen grässlicher Leidenschaften. Ein materialistischer Veitstanz verrückter Vögel, nur viel zu ungefährlich.

Hans Otto Theater , Schiffbauergasse 11, Potsdam. Weitere Termine: 29. und 28. Mai, 19.30 Uhr. Tel. 0331/98 11 8.