Benefizabend für Japan

Ein Auftritt für Freunde

Es hat schon einige Benefizveranstaltungen für Japan gegeben, aber diese könnte etwas Besonderes werden. Es tanzen Stars aus den wichtigsten Ballettcompagnien der Welt - Solisten aus Moskau, Kiew, Amsterdam, Wien und Tokio. Auch die deutsche Szene ist stark vertreten, mit dem Staatsballett Berlin, dem Hamburg-Ballett, dem Ballett Semperoper Dresden, der John-Cranko-Schule in Stuttgart und, und, und.

"Wir haben nach unserem Aufruf für die Benefizgala so viele positive Rückmeldungen bekommen, dass wir gar nicht alle einladen konnten, die bei uns auftreten wollten", sagt Oleksi Bessmertni, der die Veranstaltung organisiert. "Wir hätten auch gut sechs Stunden Programm machen können."

Nun werden es gut drei Stunden werden - mit zwölf Auftritten im ersten und zwölf im zweiten Teil. Stilistisch geht es einmal quer durch den Gemüsegarten. Neben Svetlana Lunkina und Dmitry Gudanov vom Bolschoi-Ballett, die ein Pas de deux aus "Giselle" tanzen, tritt eine Moskauer Kindertanzgruppe auf, Akteure des deutsch-russischen Tanzensembles "Lorelei" führen vergessene deutsche Volkstänze auf.

Es geht auch um den Spaß

"Bei einer Gala geht das", sagt Vladimir Malakhov, der die Künstlerische Leitung übernommen hat. "Die Leute sollen ja auch Spaß haben." Malakhov selbst wird seine Version des "Sterbenden Schwans" tanzen, ein hinreißendes Solo in der Choreografie von Mauro de Candia. Auch Oleksi Bessmertni kann mit der Vielfalt des Programms gut leben. "Das Schubladen-Denken, das so streng zwischen Klassik, Moderne und Folklore unterteilt, habe ich nie verstanden. Auch die Volkstänzer machen eine großartige Show. Warum sollte man sie ausgrenzen? Wir bieten alles - von klassisch bis modern. United Colors of Dance. Für Japan."

Das Engagement der Tänzer für Japan hat, neben der Anteilnahme, dem Mitgefühl und dem Wunsch helfen zu wollen, noch einen weiteren Grund: Viele sind in dem Land schon aufgetreten. Die Japaner sind verrückt nach europäischem Tanz - und zahlen die höchsten Gagen. Das Berliner Staatsballett ist erst im Januar in Tokio gewesen und hat unter großem Jubel die Produktionen "Cinderella" und "Tschaikowsky" gezeigt. "Es war unglaublich", erinnert sich Malakhov. "Die Leute warteten vor der Garderobe. Sie brachten Geschenke mit, machten Fotos und baten um Autogramme." Und das hat der Leiter des Staatsballetts schon oft erlebt. Er ist, wie er schätzt, schon 90 Mal in Japan gewesen - zum ersten Mal mit 17 als er am Moskauer Bolschoi-Theater noch Student war, dann regelmäßig immer wieder - ein-, zwei- oder dreimal pro Jahr.

"Ich bin als Tänzer aufgetreten, habe als Choreograf gearbeitet und unterrichtet. Ich habe viele Freunde dort und fühle mich dem Land verpflichtet." Auch Erdbeben hat Malakhov in Japan erlebt. "Die gibt es dort so häufig, das ist gar nichts Besonderes. Manchmal sind sie so schwach, dass man sie kaum bemerkt, und manchmal wacht man nachts auf und die Wände wackeln. Und dann macht man das Radio an und hört eine Mitteilung, man solle sich keine Sorgen machen - die Gebäude seien erdbebensicher."

Viele Tänzer des Staatsballetts können ähnliche Geschichten erzählen. Fünf von ihnen sind Japaner. Die Solotänzerin Shoko Nakamura war zum Zeitpunkt der Katastrophe von Fukushima sogar zu Hause. "Wir haben uns große Sorgen gemacht", so Malakhov. "Shoko hat erst im Januar ihr Kind zur Welt gebracht und hat ihre Familie besucht. Aber sie war weit weg von Fukushima. Ihr ist nichts passiert."

Malakhov geht die Tragödie in Japan sehr nah. Er stammt aus der Ukraine und ist mit den Bildern der Katastrophe von Tschernobyl aufgewachsen. "Und in Japan könnten die Folgen noch viel schlimmer sein. Es ist Radioaktivität ins Wasser gelangt. Und das wo die Japaner so viel Fisch essen. Und auch die Dunkelheit muss sehr schlimm sein. Normalerweise sind die Städte in Japan strahlend hell, wegen der vielen Leuchtreklamen. Jetzt ist alles dunkel, weil Strom gespart werden muss."

Angesichts der Probleme, die es in Japan gibt, sind die Beträge, die bei einer Ballett-Gala gesammelt werden können, natürlich verschwindend klein. Das Projekt hat vor allem eine psychologische Bedeutung. "Ich bekomme Hunderte E-Mails aus Japan", sagt Oleksi Bessmertni, "von Tänzern, aber auch von ganz normalen Menschen, die uns dafür danken, dass wir das Land nicht vergessen." Zur Gala am Sonntag hätten sich viele japanische Journalisten angesagt - auch Fernsehteams. "So können wir etwas von der Warmherzigkeit zurückgeben, die wir als Tänzer in Japan empfangen haben."

Die Wertschätzung für den Tanz

Klar, es geht aber auch um finanzielle Interessen. Bessmertni, der in Deutschland als Erfinder des Internationalen Kindertanzfestivals Tanzolymp bekannt ist, hat selbst schon als Choreograf in Japan gearbeitet. Er weiß, welche Gagen dort gezahlt werden und hofft, im Interesse aller Tänzer, dass das Land wirtschaftlich bald wieder auf die Beine kommt. "Korea ist gut, China ist gut und neuerdings auch Malaysia. Aber Japan ist am besten. Dort wird dem Tanz eine Wertschätzung entgegengebracht, die es in Europa so nicht mehr gibt. Die Zukunft des Tanzes ist in Asien."