Axel Springer Preis 2011

"Nehmen Sie ruhig den Neid mit"

Aufgeregt waren sie alle. Geschmeichelt zwar, eingeladen zu sein, aber auch unsicher, weil keiner wusste, wer am Ende des Abends gewinnen würde. Nervös hielten sich die Kandidaten für den Axel Springer Preis 2011 an ihren Sektgläsern fest und rutschten auf ihren Stühlen.

Bei einer war der Gefühlshaushalt indes noch mehr durcheinander als bei den anderen: Katrin Blum ist erst drei Tage zuvor Mutter geworden. Sie hat die Reportage "Ich will es wiederhaben" verfasst über eine Mutter, die erst ihr Kind bei einer Babyklappe abgegeben und dann doch dafür gekämpft hatte. Katrin Blum hat dafür den Preis in der Kategorie Print Regional erhalten. Und statt über sich selbst freute sie sich noch einmal für die Frau, über die sie geschrieben hat: "Denn ich weiß jetzt, was es heißt, Mutter zu sein."

Gestern Abend wurde im Axel-Springer-Verlag vor 350 geladenen Gästen der Axel-Springer-Preis verliehen, und das zum nunmehr 20. Mal. Die Auszeichnung, 1991 von der Axel Springer AG gestiftet, kürt die besten Nachwuchsjournalisten des deutschsprachigen Raums. Und zwar, als einziger Preis dieser Art, in den vier Kategorien Print, Fernsehen, Hörfunk und Internet. Das macht den Preis zum wichtigsten seiner Art. Auch wenn, wie Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie, in seiner Eingangsrede meinte, die Realitäten in den Redaktionen teils schon ganz anders aussehen - Print und Online also längst ineinanderwachsen.

Im Jubiläumsjahr wurden knapp 900 Beiträge eingesandt; noch einmal deutlich mehr als im Rekord-Vorjahr. Die einzigen Regularien dabei: Die Beiträge mussten aus dem vergangenen Jahr stammen, und die Autoren durften nicht älter als 33 Jahre sein. Zwölf Preise mit insgesamt 54 000 Euro wurden vergeben, außerdem 13 herausragende Leistungen lobend erwähnt. Zu den Siegern gehörte etwa der Deutsche Alard von Kittlitz, der für die "Frankfurter Allgemeine" die unheimliche Macht der Internet-Guerilla Anonymous kritisch beleuchtete. Oder der Österreicher Fritz Ofner, der fürs Fernsehen eine irakische Familie ins amerikanische Asyl begleitete. Die Preisträger nahmen es sportlich und spielten wiederholt auf Ski- und Gokart-Trophäen aus der Kindheit an.

Gastredner in diesem Jahr war Benjamin Stuckrad-Barre. Der war vielleicht nicht so staatstragend wie der Beinahe-Bundespräsident Joachim Gnauck im Vorjahr; aber mit 36 Jahren nur knapp älter als die Kandidaten. Die könnten ihn beneiden: Zu was hat er es nicht schon gebracht, als Journalist, Redakteur, Buchautor, TV-Moderator. Und doch drehte er den Spieß um: Er bekannte, dass er noch nie einen Journalistenpreis erhalten hätte. Dass er auch nur einmal nominiert gewesen sei - und nichts bekommen habe. Er wandte sich deshalb nicht nur an die Preisträger, sondern vor allem an jene, die an diesem Abend leer ausgingen: "Nehmen Sie ruhig den Hass, den Neid mit. Diese Energie ist gut." Auch für künftige Preise. Die Ausschreibung für den 21. Axel-Springer-Preis beginnt Ende Oktober.

Alles über die Auszeichnung unter www.axel-springer-preis.de