Theater-Festival

Theatertreffen: Zum Auftakt wird die Bühne geflutet

Noch führt der Weg ins Festspielhaus über eine Baustelle. Am Freitag aber, wenn das 48. Theatertreffen von Kulturstaatsminister Bernd Neumann eröffnet wird, soll dem Kunstgenuss nichts mehr im Wege stehen. Schaut man sich um, dürfen Zweifel erlaubt sein.

Auf jeden Fall werden die Sanierungsarbeiten für zweieinhalb Wochen unterbrochen.

Eröffnet wird das Festival, bei dem eine Jury die zehn "bemerkenswertesten" deutschsprachigen Theaterinszenierungen einlädt und damit naturgemäß Diskussionen auslöst, mit einer Arbeit aus Köln. Die von Karin Beier geleitete Bühne ist in diesem Jahr als einzige mit zwei Produktionen eingeladen worden. Zum Auftakt zeigt das Theatertreffen einen Dreier von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, inszeniert von der erfolgreichen Intendantin: Die Katastrophenabhandlung "Das Werk / Im Bus / Der Sturz" beschäftigt auch mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs durch Schlampereien beim U-Bahnbau - die Bühne steht folgerichtig am Ende unter Wasser.

Während die Eröffnungsvorstellung ausverkauft ist, gibt es für einige Gastspiele tatsächlich noch ein paar Karten: Für die Dienstagsnachmittagsvorstellung von "Der Kirschgarten" am 10 Mai, ebenfalls eine Produktion aus Köln. Karin Henkel hat diesen Tschechow inszeniert - mit einem anderen, nämlich "Platonow" war die Regisseurin vor einigen Jahren schon mal beim Theatertreffen dabei. Tickets gibt es zudem für Christoph Schlingensiefs "Via Intolleranza II", die letzte Regiearbeit des im vergangenen August verstorbenen Regisseurs. Und auch für "Die Beteiligten" von Kathrin Röggla, inszeniert von Stefan Bachmann, sind noch Karten erhältlich, wie Theatertreffen-Leiterin Iris Laufenberg gestern auf der Pressekonferenz sagte. Schon eine Überraschung, denn normalerweise sind Gastspiele des Wiener Burgtheaters schnell ausverkauft - und solche aus der Provinz langsamer. Diesmal war es offenbar andersherum.

Wer keine Karte mehr für Herberts Fritschs Version von Ibsens "Nora" bekommen hat, muss aber nicht gleich nach Oberhausen reisen: Diese Inszenierung wird sogar einen Tag vor der Berliner Premiere im Rahmen des Public Viewing am 14. März auf einer Videoleinwand am Sony Center (Potsdamer Platz) gezeigt. Am Abend gibt es dort die Berliner Inszenierung "Verrücktes Blut", einen Tag später das Theatertreffen-Eröffnungsstück bei freiem Eintritt unter fast freiem Himmel. Im vergangenen Jahr litt das Public Viewing unter winterlichen Temperaturen, auch Glühwein half wenig. Diesmal aber soll es wärmer werden. Auch hier sind allerdings Zweifel erlaubt.