Musik

200 Sänger veredeln das "Deutsche Requiem"

Die größte Überraschung des Konzertabends mit den Philharmonikern unter Donald Runnicles, dem künftigen Musikchef der Deutschen Oper, war der gastweise Auftritt des annähernd zweihundertköpfigen Chors, der sonst dem Atlanta Symphony Orchester unterstellt ist.

Er erwies sich im "Deutschen Requiem" von Johannes Brahms als ein zuverlässiges, steigerungsfähiges Rieseninstrument, das sich der machtvollen Verkündung, die ihm von Runnicles immer wieder abverlangt wurde, durchaus gewachsen zeigte.

Mehr aber noch: der Chor artikulierte den deutschen Text mit außerordentlicher Umsicht und Einfühlungskraft. Der exzellente Berliner Rundfunkchor könnte in dieser Beziehung durchaus von den amerikanischen Kollegen lernen. Johannes Brahms' "Deutsches Requiem" ist kein musikalischer Trauerkloss. Es singt die Forderung nach gutem Benehmen in puncto Glauben deutlich heraus, ohne sich dabei an liturgische Vorschriften zu halten. Es ist ein Werk der Glaubensfreiheit, gestützt auf den großen Apparat, den die Liedertafel im 19. Jahrhundert überall in Deutschland bereithielt. Das zementierte den Erfolg des Werkes bis auf den heutigen Tag.

Das aber lässt es auch ein bisschen gestrig erscheinen, obwohl sich Gerald Finley in den beiden Bariton-Soli alle Mühe gab, nicht zu sentimentalisieren. Seine Sopran-Partnerin, die Finnin Helena Juntunen kam mit vibratoreicher, geradezu tremolierender Stimme dagegen nicht an.