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Ich lese gerade: Helmut Krausser: Die letzten schönen Tage

Philipp Sawallisch (30), Buchhandlung Stadtlichter , Bürknerstr. 1, Neukölln: Für mich ist Helmut Kraussers Roman "Die letzten schönen Tage" das beste Buch des letzten Jahres. Eine Tragikomödie, die vorwiegend in Berlin spielt. Im Zentrum steht der Werbefachmann Serge, Mitte dreißig, der sich nach einem Zusammenbruch mit Freundin Kati eine Auszeit nimmt. Die hat nebenher noch eine Affäre. Von Eifersucht getrieben, hackt sich Serge nicht nur in ihren E-Mail-Zugang, er beginnt auch, Katis Liebhaber zu mailen. Eine pikante Geschichte mit der Erkenntnis, dass man selbst diejenigen, die man zu kennen glaubt, nicht wirklich kennt. Krausser erzählt abgründig mit schwarzem Humor, Spannung und Tiefgang aus verschiedenen Perspektiven, die kunstvoll verbunden sind. Das Buch steckt voller Wendungen, die sich zusammenfügen, ohne konstruiert zu wirken. Ein empfehlenswerter Roman, den man erst nach der letzten Seite aus der Hand legt und der lange nachwirkt.

Helmut Krausser: Die letzten schönen Tage, Dumont Verlag, 222 Seiten, 19,99 Euro.