Tatort

Niemand kabbelt sich so schön wie die Münsteraner Ermittler

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Die Manierismen des Plisch-und-Plum-Gespanns Jan Josef Liefers und Axel Prahl sind zur lieben Gewohnheit geworden: Der eine ist ein eitler Stutzer, der andere norddeutsche Stieseligkeit. Das Bockige des Kommissars ist nicht minder arrogant als die Selbstverliebtheit des Forensikers.

Das Beamten-Milieu steht hier gegen die akademische Sphäre, die Wurschtigkeit des Realisten gegen das Wolkige des Theoretikers. Das Unentschieden zwischen den Antipoden verschiebt sich in dem vorzüglichen neuen "Tatort"-Film "Herrenabend" zugunsten Thiels: Offenbar hat Boerne vor einer Weile einen Mann für tot erklärt, der jetzt einen Mord beging.

Rüdiger Klarbach, einst Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und verwickelt in dubiose Geschäfte in Bulgarien, kam angeblich bei einem Brand in Südafrika ums Leben. Seine Witwe lebt nun bei ihrem Vater, dem betulichen Dr. Herbert (Lambert Hamel). Der windige Geschäftsmann Arno Berger hatte an einem "Herrenabend" anlässlich des Geburtstags des örtlichen "Kartoffel-Königs" Lüdinghaus (Michael Wittenborn) teilgenommen und wurde am nächsten Morgen erschossen auf einem Kartoffelacker gefunden. Lüdinghaus' Geschäfte haben nicht bloß mit Kartoffeln zu tun; er investierte "im Osten", und Berger war sein Mann fürs Grobe. Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) ist selbst mit dem sarkastischen Unternehmer befreundet und behindert zunächst die Ermittlungen Thiels, derweil Boerne ehrpusselig an der Rekonstruktion eines Kopfes arbeitet.

Und dann steht plötzlich die Steuerfahnderin Leonie Krassnik (Ulrike Tscharre) vor seiner Tür, die sich für eine Reise Boernes in die Schweiz interessiert. Nachbar Thiel frohlockt - und lädt die Beamtin zu einem Käsebrot ein. Mit dem Fall des verschwundenen Rüdiger Klarbach ist sie auch verbunden: Vor Jahren war sie an der Aufarbeitung seiner Steuervergehen gescheitert, weshalb sie mit minderen Aufgaben in der Provinz befasst wurde. Sie hat mithin eine Rechnung offen.

Es ist nicht so sehr der Plot, der "Herrenabend" zu einer ebenso vergnüglichen wie anrührenden Farce macht. Die solide Geschichte hat Matthias Tiefenbacher mit staunenswertem Gespür für Schauplätze und Figuren inszeniert. Vor allem aber sind es die Schauspieler, die in den präzise abgezirkelten Aktionsräumen wie auf dem Theater brillieren. Voran Hamel, ein King Lear der Heuchelei, voll Eifersucht, Gier und Selbstmitleid. Ein solches Porträt hindert den Zuschauer, sich noch ein Gürkchen aus dem Kühlschrank zu holen. Und Michael Wittenborn als jovialer Knollenmogul gelingt ein Kabinettstück: Er kungelt mit der Politik, schäkert mit der Staatsanwältin, verlacht seinen toten Handlanger. Professor Boerne kann seine Berufsehre am Ende wiederherstellen. Allein was aus Frank Thiel und der Steuerfahnderin Leonie wird, das erfährt der Zuschauer leider nicht. Einstweilen sitzen die Guten im Lokal. Und diesmal ist es kein Herrenabend.

Tatort: Herrenabend ARD, 20.15 Uhr.