Fernsehen

Im Dickicht der digitalen Spartenprogramme

Digitale Fernsehprogramme haben ARD und ZDF eine Menge. Nur kennen tut sie keiner. Oder wissen Sie, wo auf ihrem Receiver Eins Festival gespeichert ist? Nun hat dieses Programm keine nennenswerten Höhepunkte, könnte man einwenden. Aber eines ist sicher: Es kostet den Gebührenzahler Geld, jeden Monat.

Nur selten vermag einer der sechs Miniatursender der Öffentlich-Rechtlichen die Ein-Prozent-Einschaltquotenhürde zu nehmen - was ARD und ZDF jedoch nicht davon abhält, im Segment dieser Spartenprogramme eifrig weiterzuplanen und deren Existenz dem großen Publikum in den reichweitenstarken Hauptprogrammen Das Erste und ZDF aus unerfindlichen Gründen konsequent zu verschweigen. Anfang Mai soll nun ein weiteres Projekt unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den Start gehen: der neue Kanal ZDF-Kultur, der den ebenso unbekannten ZDF-Theaterkanal von seinem tristen Dasein befreit.

Schelte für ihre oft wenig durchschaubare Expansionspolitik haben ARD und ZDF reichlich kassiert. Man denke nur an die herrlich überflüssige "Tagesschau"-App für das iPad und überhaupt die digitale Ausbreitung im Internet - einem Terrain, das die Öffentlich-Rechtlichen unangetastet lassen müssten, denn "Rundfunk" beinhaltet eben schon per definitionem nur Radio und Fernsehen.

Dass trotz gut begründeter Einwände zahlreicher Kritiker die meisten Vorhaben der grauen Eminenzen von ARD und ZDF immer wieder umgesetzt werden, liegt an der Gewissheit, dass selbst der zäheste Gegner dank der dem System eigenen Mechanismen und Hierarchien irgendwann mürbe wird und Lust wie Zeit an der Auseinandersetzung mit diesem bizarr sturen Apparat verliert. Ganz egal, ob der Widersacher von der privaten Medienkonkurrenz oder aus den eigenen Reihen kommt - bisher ist noch jeder verstummt.

Grundsatzdiskussionen sind vor allem eines: grundsätzlich unerwünscht, denn eigentlich läuft doch alles ganz gut. Lediglich die jungen Menschen wandern ab. Die Witzchen über den "Seniorenkanal" ZDF sind Kult, beim Ersten sieht es nicht weniger düster aus. Um also endlich einmal bei den Teenagern zu punkten, plante man bei der ARD schon im vergangenen Jahr den nächsten Streich. Ein neuer TV-Jugendsender müsse her. Schließlich hat man den Kinderkanal für die ganz Kleinen, ZDFneo für die älteren Junggebliebenen, aber eben noch nichts für die künftigen Gebührenzahler der 14- bis 25-Jährigen erdacht. Ein ProSieben der Öffentlich-Rechtlichen mag dem SWR-Intendanten Boudgoust vorgeschwebt sein. Nur sinnvoller, versteht sich. Denn die Quote, so betont man bei den Öffentlich-Rechtlichen gerne und stets vorsorglich, bedeute einem nichts.

Pünktlich zur Frühjahrstagung der ARD kam dann jetzt auch eine Wortmeldung des Chefs der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier (SPD). Der will mit dem noch vagen Plan des Jugendsenders endlich Ernst machen. Monika Piel, die derzeitige ARD-Chefin, denkt jetzt über eine Kooperation mit dem ZDF nach. Welch neues Projekt aus diesen Diskussionen erwächst, weiß bisher keiner so ganz genau. Aber bei den Öffentlich-Rechtlichen ist es wie in der Baumarktwerbung: Es gibt immer was zu tun.