Werke von William Wauer

Im Zickzackstil: Die Erfindung des Berliner Kubismus

Als hätte William Wauer es geahnt: Knut muss verewigt werden. 1924 hat der Berliner Bildhauer und Maler einen nur 14 Zentimeter hohen Eisbären geschaffen. Die vernickelte Bronze glänzt in einer Vitrine des Georg Kolbe Museums.

Kurator Marc Wellmann kann sich durchaus vorstellen, dass die markante Plastik in 20facher Vergrößerung ein Denkmal für den Verstorbenen abgeben könnte. Mit eckigem Charme für die Erinnerung!

Sein bekanntestes Werk ist allerdings die Büste Herwarth Waldens. Sie wurde zum Inbegriff formaler Radikalität der deutschen Moderne. Der kubistisch Porträtierte hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Potsdamer Straße die legendäre Avantgarde-Galerie "Der Sturm" eröffnet. Dort stellte auch Wauer aus, der war Maler, Werbegrafiker, Theaterkritiker, Pressefotograf, Regisseur und eben auch als Bildhauer.

Er lernte den Gründer des "Sturm"-Verlages und der Galerie 1911 anlässlich einer seiner Theaterinszenierungen kennen. Wauers kleines Privattheater Unter den Linden lief allerdings schlecht und so wechselte der 1866 in Sachsen geborne Wahlberliner zum Film. Wer jetzt denkt, das kann doch kein vernünftiger Bildhauer gewesen sein, irrt. Die sehenswerte Schau "William Wauer und der Berliner Kubismus" beweist das Gegenteil.

In der Porträtplastik beschritt Wauer ungewohnt neue Wege. Er sei der Erste in Europa gewesen, der eine reine kubistische Plastik geschaffen habe, meinte ein Zeitgenosse. Dies ist zwar kunsthistorisch falsch, George Braque und Pablo Picasso waren etwas früher dran. Das Urteil des "Sturm"-Mitarbeiters Rudolf Blümner belegt aber, dass die geometrisch-abstrakten Tendenzen vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg an breiter Front en vogue waren. Auch Berlin war um 1920 ein Zentrum des Kubismus und eben nicht nur Paris. Dies veranschaulicht eindrucksvoll die thematische Ausstellung, die Wellmann über diese wenig beachtete Phase erarbeitet hat - mit Wauer im Zentrum, der in der Rezeptionsgeschichte bislang ein Schattendasein führte. Viele Arbeiten aus dieser Zeit sind verschollen. Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden erinnern etwa an das zerstörte Scala-Casino. Dort hatte der Bildhauer Rudolf Belling, der zurzeit in der Ausstellung "Moderne Zeiten" in der Neuen Nationalgalerie einen großen Auftritt hat, zusammen mit Walther Würzbach 1920 einen ganzen Innenraum im Geiste des Zickzackstils gestaltet. Die Schau zeigt auch Arbeiten von diesem Berliner, der mit Max Reinhardt befreundet war, Bühnenbilder schuf und später in die Türkei emigrierte, bevor er 80jährig nach Deutschland zurückkehrte.

Sie bettet Wauers Kleinplastiken und Porträt-Büsten ein in einen Überblick über die plastischen Künste um 1920 in Berlin. Alexander Archipenko, Katharina Heise, Hans Uhlmann, Richard Scheibe - bekannte und vergessene Künstler sind mit interessanten Exponaten dabei. Darunter auch Künstlerinnen wie Marg Moll und Emy Roeder, von denen der Berliner Skulpturenfund erst kürzlich Werke zutage förderte.

Kolbe-Museum , Sensburger Allee 25. Tel. 304 2144. Di-So 10-18. Bis 19. Juni.