Interview mit Robert Pattinson

"Jetzt beginnt mein Leben ohne Biss"

Er war schon einmal in Berlin. Damals war Robert Pattison 17. "Alles war anders", sagt er. Und meint damit nicht die Stadt. Damals konnte er noch unerkannt durch die Straßen ziehen. Jetzt promotet er im Hotel de Rome seinen neuen Film "Wasser für die Elefanten". Und draußen belagern zahllose Fans der "Twilight"/"Bis(s)"-Filme den Bebelplatz. Sie hätten uns beneidet: Peter Zander hatte ein Interview mit einem Vampir.

Berliner Morgenpost: Als Sie heute Morgen aufgewacht sind, wussten Sie da, in welcher Stadt Sie waren?

Robert Pattinson: Ganz ehrlich? Ich hatte keine Ahnung. Und das passiert mir ziemlich häufig in letzter Zeit.

Berliner Morgenpost: Sie jetten seit Jahren durch die Welt. Fühlen Sie sich überhaupt noch irgendwo zuhause?

Robert Pattinson: Ich habe nicht mal eins im Moment. Meine Eltern haben in London mein Zimmer geräumt, ich bin also ganz ohne feste Bleibe. Daran werde ich arbeiten. Hoffentlich.

Berliner Morgenpost: Wenn Sie die Wahl hätten, wo würden Sie gerne aufwachen?

Robert Pattinson: Da gibt es ein Landhaus in Südfrankreich, wo ich vor einigen Jahren gewesen bin. Da war nichts in der Nähe, da war ich ganz für mich. Das würde mir gut gefallen.

Berliner Morgenpost: In "Wasser für die Elefanten" haben sie einen sehr ungewöhnlichen Filmpartner. Wie ist das, mit einem Elefanten zu spielen?

Robert Pattinson: Das nimmt dir etwas Selbstsicherheit, egal bei welchem wilden Tier. Allein neben so was Großem zu stehen, macht dich sehr bescheiden. Andererseits scheint ein Elefant jeden glücklich zu machen, die ganze Crew wurde zu Kindern, alle wollten sie andauernd hätscheln. Tai ist ein Elefantenweibchen und war wirklich die netteste Filmpartnerin, die ich je hatte. Kristen, vergib mir.

Berliner Morgenpost: Tai hat auch etwas getan, worum sie all Ihre Fans beneiden werden: Mit ihrem Rüssel nestelt sie im Film dauernd an Ihnen herum. War das geplant oder zufällig?

Robert Pattinson: Die ersten Wochen trainierten wir mit Süßigkeiten und Geleebonbons, dass sie hinter mir herlief. Danach war sie wohl überzeugt, dass ich die immer bei mir habe. Sie ging ständig mit ihrem Rüssel in meine Hosentasche und sonstwo hin.

Berliner Morgenpost: Hat das auch was Metaphorisches? Sollte man ein Dickhäuter sein im Filmbusiness?

Robert Pattinson: Unbedingt. Ich war früher bei vielen Castings, da bist du einer von 200, wartest Stunden auf deine Chance und dann gucken die eine Seite deines Bewerbungsbogens an und sagen: Nee. Wenn du das hundert Mal erlebt hast, bist du irgendwann immun gegen Enttäuschung. Ohne ein dickes Fell könntest du das nicht ertragen.

Berliner Morgenpost: Nach all den Vampir-Teeniedramen kommen Sie jetzt mit "Wasser für die Elefanten" und demnächst mit der Maupassant-Neuverfilmung "Bel Ami". Ist das ein Reifeprozess für Sie als Schauspieler?

Robert Pattinson: Ich hoffe, ja. Ich fühle mich immer noch nicht ganz erwachsen. Aber in "Wasser" sehe ich schon mal viel reifer aus. Bei den "Twilight"-Filmen musste ich den ewigen 17-Jährigen spielen und wurde darauf getrimmt. Da ist es wie ein Segen, nun "erwachsenere" Rollen zu bekommen. Und ich darf und muss mich jetzt beweisen: dass ich auch so was kann.

Berliner Morgenpost: Nach weit über drei Jahren "Twilight": Ist jetzt die letzte Klappe für den fünften und letzten Teil definitiv gefallen?

Robert Pattinson: Ja. Vor fünf Tagen. Es ist vollbracht.

Berliner Morgenpost: Und haben Sie das zelebriert?

Robert Pattinson: So in der Art. Immer mehr verließen den Set in Kanada, wir haben also eine ganze Weile Abschied gefeiert. Für die allerletzte Szene war ich dann allein mit Kristen Stewart. Das war an einem warmen, hellen Strand, ein schönes Ende, nachdem wir fünf Filme in der Kälte gedreht haben.

Berliner Morgenpost: Freuen Sie sich denn jetzt auf Ihr Leben ohne "Bis(s)"?

Robert Pattinson: Es ist ja noch nicht ganz zu Ende. Bis der fünfte Teil promotet ist und ins Kino kommt, das dauert noch. Aber ja, da fällt schon eine Last ab. Die letzten beiden Teile haben wir ja an einem Stück gedreht, und das ganze Make-Up und Bleichmachen jeden Tag, das hat viel Zeit geraubt. Kann aber gut sein, dass ich das schon bald vermisse. Schließlich war das eine sehr wichtige Phase in meinem Leben.

Berliner Morgenpost: Ist der ganze Rummel um Ihre Person nicht auch ein Zirkus?

Robert Pattinson: Irgendwie schon. Das lässt sich nicht verhindern. Du bist ein bisschen das Dressurpferd, musst ständig eine Illusion erschaffen. Das Schlimmste war die Zeit, in der ich nichts getan habe, in der ich einfach nur da sein und rumstehen musste. Das letzte Mal, als ich in Deutschland war, da kam ich mit Taylor Lautner ins Münchener Olympiastadion und 30 000 Mädchen haben gekreischt. Das war wirklich bizarr. Wie ein Rockstar, ohne Musik zu machen. Man riet uns, die sich eine Viertelstunde lang heiser schreien zu lassen, und dann ging's zum nächsten Event.

Berliner Morgenpost: Hätten Sie je gewusst, welcher Hype auf Sie zukommt, hätten Sie die Rolle des Vampirs Edward Cullen womöglich abgelehnt?

Robert Pattinson: Wer weiß. Vielleicht hätte ich's mir noch mal überlegt. Aber ich will nicht undankbar erscheinen. Die wirklich schlimmste Zeit meines Lebens war die, als ich nichts machen durfte, als ich einfach keinen Job bekam. Da habe ich mich echt gefragt: Was machst du da eigentlich? Und hätte um ein Haar aufgegeben. Ich sah keine Zukunft mehr, trotz aller Dickhäutigkeit. Aber diese Industrie ist schon kurios: Ich war damals an meinem absoluten Tiefpunkt angelangt. Ich dachte, das ist dein letzter Versuch, und da waren 3000 Konkurrenten. Aber dann wurde ich Edward. Und jetzt kann ich plötzlich die Filme machen, die ich immer machen wollte. Das ist auch mein Ansporn. Ich möchte nicht in Erinnerung bleiben als der, der nur diesen Vampir gespielt hat. Seite 32

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