Personalien

Dresdner Museumschef Roth geht nach London

Es ist müßig, darüber nachzudenken, ob der Wechsel des Dresdner Generaldirektors Martin Roth ans altehrwürdige Victoria & Albert-Museum in London mit der Kontroverse zu tun hat, die die maßgeblich von ihm initiierte und organisierte Aufklärungs-Ausstellung in China in den vergangenen Wochen ausgelöst hat: Mit dem britischen Kulturminister verhandelt man nicht aus einem aktuellen Anlass - und schon gar nicht innerhalb weniger Wochen.

Der Weggang aus Deutschland muss also andere, längerfristige, tiefer gehende Gründe haben. Dresden den Rücken zu kehren, sei keine leichte Entscheidung gewesen, ließ Roth von Kanada aus erklären, wo er ein Ferienhaus besitzt. Sich auf Getanem auszuruhen, sei seine Sache aber nicht, da wende er sich lieber neuen Aufgaben zu.

Wer Roth in Dresden erlebt hat, wer ihn ein wenig näher kannte, weiß, das diese Sätze bei ihm nicht den Charakter jener Begründungsfloskeln haben, den sie bei vielen seiner Kollegen automatisch haben müssten. Roth hat keinen Grund, frustriert zu sein. Er hat in Dresden seit 2001 Großes geleistet, und er ist selbstbewusst genug, das auch zu wissen. Unvergessen sein Einsatz beim katastrophalen Elbhochwasser des Jahres 2002. Damals stand der Generaldirektor selbst mit Gummistiefeln in den Fluten, reichte Kunstwerke aus den Depots weiter und telefonierte zwischendurch immer wieder mit den Ministerien, um aus der akuten Situation heraus sofort neue Strukturen und Finanzierungen zu sichern.

In den vergangenen zehn Jahren seit seiner Amtsübernahme hat Roth dort Herkulesarbeit geleistet: Häuser wie das Grüne Gewölbe oder das Albertinum wurden komplett saniert und neu eingerichtet, andere Häuser nahezu unbemerkt baulich erneuert. Der Generaldirektor organisierte Mittel für die Restaurierung bedeutender Kunstwerke, veranstaltete bedeutende Symposien und baute Kontakte in alle Welt auf, wie sie nur wenige Häuser haben. Er holte Gerhard Richter und Georg Baselitz nach Dresden zurück und stellte ein Programm für moderne und zeitgenössische Kunst auf die Beine, wie es Dresden bis dahin nicht kannte.

Sein souveränes Agieren hätte Martin Roth schon seit langem für noch höhere Aufgaben qualifiziert. Als aber vor vier Jahren in der Berliner Museumslandschaft die Posten neu verteilt wurden, wurde der Mann aus Dresden bewusst übergangen. Er galt, auch beim Berliner Kulturstaatsminister, als nicht steuerbar. Genau das aber - politisch unabhängig - muss ein Museumsdirektor nun einmal sein. Dass Martin Roth nun berechtigte Kritik ausgerechnet dafür einsteckt, dass er die durch und durch politische Ausstellung am Platz des Himmlischen Friedens nicht als solche begreifen kann oder will, ist beinahe tragisch.