Theaterkritik

Geschichten von nebenan in der DT-Box

Die Stimme vom Band ist ein Nachhall des kleinen, berührenden Theaterabends. Die alte, alzheimerkranke Dame erzählt dem Interviewer von ihrem Leben und lacht dabei ein fröhliches, mädchenhaftes Lachen trotz der schweren Schicksalsschläge - und trifft damit mitten ins Herz.

Zuvor ist Natali Seelig in die Rolle der alten Dame geschlüpft, hat sich mit Worten Mut gemacht gegen den nahenden totalen Gedächtnisverlust, ihre tiefe Trauer offenbart über den Verlust ihrer Tochter, die an Krebs gestorben ist, genau wie ihr Ehemann.

Authentisch wirken die drei "Geschichten von nebenan", die Regisseur Frank Abt in der Box des Deutschen Theaters aus dem Interview-Material von Dirk Schneider herausgefiltert hat und denen er nicht nach Ödön von Horváth, sondern nach Paulus erstem Brief an die Korinther den Titel "Glaube Liebe Hoffnung" gegeben hat. Drei christliche Tugenden als lockere Klammer, ein biblisches Schlagwort für jede Geschichte.

Vor der drehbaren Bühne mit dem altmodischen Zimmer entspinnen sich verschlungene Lebensläufe. Wie der des jungen, katholisch aufgewachsenen Polen, der zum orthodoxen Judentum übergetreten ist. Oder die Geschichte von dem Pärchen, das vom seinem Kennenlernen berichtet. Sie unverkrampft, er peinlich berührt. Unverfälschte, unsentimentale Poesie des Alltags, der man sich nicht entziehen kann.

Bei aller Unmittelbarkeit spürt man aber zugleich auch eine leichte Distanziertheit durch das meisterhafte Spiel von Alexander Khuon und Natali Seelig, die zwar dem Duktus der Originale folgen. Doch mit fein nuancierter Gestik und Mimik kommentieren sie deren Verhalten auch stets.

Deutsches Theater/Box Schumannstr. 13 a, Mitte. Tel. 28 44 12 25. Termine: 9.12. um 20.30 Uhr; 12., 19.12. und 2.1. um 20 Uhr