Konzertkritik

Dirigent Christoph Schlüren grast am Rand des Repertoires

Das Funkhaus Nalepastraße besitzt einen der besten Sendesäle Deutschlands. Leider liegt es hinter dem Mond, irgendwo in Oberschöneweide - keine vernünftige öffentliche Verkehrsanbindung und vom Werktor noch zehn Minuten über nächtliches Industriegelände!

Und dann Werke von Pärt, Hamel, Eliasson und Reinhard Schwarz-Schilling! Dergleichen funktioniert nur mit einem Mäzen. Im Falle der noch jungen Symphonia Momentum ist es Christian Schwarz-Schilling, bekannt als ehemaliger Bundespostminister und Hoher Repräsentant der UN in Sarajewo. Ein für Streichorchester bearbeitetes Werk seines Vaters, das einst von Celibidache und den Berliner Philharmonikern aus der Taufe gehobene Streichquartett f-Moll, stand am Ende des mutigen Programms. Geboten wurde auch halbwegs Populäres, Mozarts Dissonanzen-Quartett, Beethovens ätherische Cavatina aus Opus 130 und das von Rebekka Hartmann äußerst lebhaft und differenziert vorgetragene Violinkonzert E-Dur.

Dirigent Christoph Schlüren, ein Celibidache-Schüler, will mit seinem Orchester aber vor allem am Rande des Repertoires grasen und überwachsene Spuren wieder aufnehmen. Dazu zählt der geniale Heinrich Kaminski, der 1946 gestorbene Lehrer von Schwarz-Schilling, ebenso wie Anders Eliasson, einer der drei größten Gegenwartskomponisten aus Nordeuropa. Nebenbei leistet die Symphonia Momentum mit ihren bosnischen und serbischen Musikern ein Stück Versöhnungsarbeit. Alles in allem ein kleines Wunder also, aus dem vielleicht ein größeres erwächst.