Historie

Eine Familie in den Umwälzungen der Jahrhunderte

Ein kleines Dorf in den Karpaten ist der Ausgangspunkt, die große Historie Mitteleuropas das Thema - Boris Kálnokys Erstlingswerk "Ahnenland" verwandelt die Geschichte der eigenen, siebenbürgisch-ungarischen Familie in ein Schlaglicht, das durch die Umwälzungen der Jahrhunderte schweift, seit dem Mongolensturm im Jahr 1241.

Was Kálnoky da beleuchtet, ist immer höchstpersönlich und verbindet auf originelle Art das Private mit der großen Geschichte.

Das Buch ist eine Schatztruhe historischer Fundsachen (hätte sich Bayern 1933 tatsächlich um ein Haar von Deutschland getrennt, um Hitler zu entrinnen?), zugleich ein einprägsames Geschichtsbuch, und fast ein Roman. Denn das Grundthema sind die Gewissensfragen, vor denen die Generationen standen, meist ohne gute Lösung. Das Beispiel der Ahnen wird so zum Ariadnefaden, an dem Kálnoky seinen Großvater Hugó durch die Wirrnisse des Lebens begleitet. Auch die Zeugen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse betrachtet Kálnoky durch die Lupe des Gewissens - und durch die Augen seiner Großmutter Ingeborg, die 1946 das Zeugenhaus der Nürnberger Prozesse leitete. Bei alldem ist Kálnokys "Ahnenland" eine Identitäts- und Heimatsuche.

Boris Kálnoky: Ahnenland - oder Die Suche nach der Seele meiner Familie. Droemer, München. 496 Seiten, 22,99 Euro.

( BM )