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"Er ist es - er ist es nicht"

Nein, er ist es nicht. Am Zaun hinter der O2 World ist Justin Bieber schon wieder nicht aus seinem Tourbus ausgestiegen. Hundert Mädchen singen erstaunlich stimmig den Justin-Bieber-Song "Never Say Never". Dann wieder lautes Kreischen. Und zwar richtig.

Der Zaun wackelt. Aber nein, er ist es wieder nicht gewesen. "Bloß so'n Kabelträger", sagt die 13-jährige Carmen, quetscht sich vor und hält ein rosa Poster hoch ans Gitter. Sie lieben Justin. Und sie wollen - natürlich - alle ein Kind von ihm. Es ist 15 Uhr. Das Konzert mit Justin Bieber beginnt in vier Stunden.

Justin Bieber - ein 17-jähriger "Junge von nebenan", der eine Karriere hinlegt, wie sie eigentlich nur in Amerika möglich ist. Mit zwölf setzt sich der Kanadier mit seiner Gitarre vor das örtliche Theater und spielt sich als Straßenmusiker 3000 Dollar zusammen. Bei Talentwettbewerben singt er Lieder von Aretha Franklin, Alicia Keys und Ne-Yo. Seine Mutter lädt die entsprechenden Videos bei YouTube hoch. Dort werden sie zufällig von dem jungen Musikmanager Scooter Braun entdeckt. Mittlerweile hat Justin Bieber 100 Millionen Dollar verdient, vier American Music Awards gewonnen, zwei Grammy-Nominierungen erhalten und für Präsident Barack Obama ein Weihnachtslied gesungen. Er hat über 15 Millionen Facebook-Freunde, knapp siebeneinhalb Millionen Menschen folgen ihm bei Twitter.

Die Mädchen vor der O2 World sagen, es sei der wichtigste Tag in ihrem Leben. Sie sind aufgeregt. Einige haben kaum geschlafen. Viele haben sich kurze Klamotten angezogen. Viele Eltern sind dabei, um aufzupassen. Einige freuen sich, andere versuchen, besorgt auszusehen.

Es ist ja noch Zeit. Fans haben einen hundert Meter langen Liebesbrief an Justin Bieber gebastelt, der wird jetzt vor dem Haupteingang ausgerollt. "You make me strong" und "Ich glaube an dich Justin - jedes Jahr, jeden Monat, jede Woche, jede Stunde, jede Sekunde..." steht auf den arrangierten Collagen. Plötzlich wird der Wind etwas zu stark, der Brief wird von einer Böe zerrissen. Kurze Verzweiflung, dass das ja nun irgendwie alles umsonst gewesen ist. Das Ganze ist aber schnell vergessen, als Justin Biebers Gitarrist Dan Kanter mit zwei Begleitern über den Vorplatz zum Haupteingang läuft. Sofort umringt, bekreischt und fotografiert rettet er die Laune der Mädchen.

Es sind noch immer drei Stunden bis zum Einlass. Justin Bieber ist mittlerweile in der Halle verschwunden. Er ist aus dem Bus raus, hat kurz gewunken, ein paar haben ihn gesehen, aber hinkommen konnte keiner, klar.

Nancy und Natascha, beide 16 Jahre, stehen am Seiteneingang, Presse, VIPs. Sie haben im Radio ein Backstage-Treffen mit Justin Bieber gewonnen. "Es ist so toll, wir können es kaum fassen. Aber wir sind auch so unfassbar nervös, man sieht es ja, wie wir zittern am ganzen Körper. Er sieht so gut aus", sagt Nancy. "Wir lieben ihn", sagt Natascha.

Dann geht es endlich los: Man muss das Kreischen aus der o2 World bis nach Mitte gehört haben, als Justin Bieber pünktlich wie ein Maurer um 19.15 die Bühne betrat. Der 17-Jährige kanadische Popstar performte im Rahmen seiner Tour "My World" Hits wie "Never Say Never" oder "Baby", schwebte in einem herzförmigen Metallgerüst über das Publikum und zeigte gewohnt eindrucksvolle Tanzschritte während auf dem großen Bildschirm hinter ihm immer wieder Fotos aus seinem jungen Leben gezeigt wurde. Am Schlagzeug und Klavier bewies Bieber sein beeindruckendes Talent, das Massen junger und jüngster Fans begeistert. Zur Zugabe holte Justin Bieber seine Mutter auf die Bühne, die Geburtstag hatte, überreichte ihr einen Kuchen und ließ die Halle Happy Birthday für sie singen. Wer würde da nicht aus Freude kreischen.