Fernsehen

Der Berliner "Tatort" ermittelt in einer Arztpraxis

Der alte Mann quält sich. Die neue Frau Doktor will ihn ins Wartezimmer schicken, doch die Sprechstundenhilfen schicken ihn gleich zur Behandlung. Aber Olaf Mühlhaus' alter Freund Dr. Gerhard Schmuckler (Dieter Mann) praktiziert heute nicht, und die forsche Dr. Antje Berger (Kirsten Block) ist mit seinem Fall nicht vertraut.

Einen Tag später stirbt Mühlhaus an der Wechselwirkung zweier Medikamente. War es Pfusch? Ein Unfall? Selbstmord?

Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) sind die Kommissare mit der schlechten Laune: Der eine reagiert zwar hurtig auf Avancen von Frauen, mag im Öko-Café aber den gereichten Männer-Tee nicht. Und Stark spürt immer dieses Kribbeln im Hals, geht jedoch nicht zum Arzt. Beruflich muss er nun die Praxis von Dr. Gerhard Schmuckler und seinem Sohn Martin (Thomas Scharff) besuchen: Der Alte sollte sich endlich zur Ruhe setzen, sein Filius hat bereits Antje Berger für die Nachfolge gewonnen, mit der ihn wohl ein Techtelmechtel verbindet, was etwas problematisch ist, weil seine Ehefrau Yvonne (Ursina Ladi) in der Praxis arbeitet.

Ein Kammerspiel entwickeln die Autorin Dinah Marte Golch und der Regisseur Florian Froschmeyer aus dieser konventionellen Konstellation. "Edel sei der Mensch und gesund" klingt alttestamentarischer, als das Rätselspiel tatsächlich angelegt ist. Ritter und Stark bemerken bald, dass der alte Mediziner nicht weichen will, während die ehrgeizige Antje Berger den Sohn unter Druck setzt. Ein großes Darlehen für die Praxis-Modernisierung wird den Beiden von der Bank nicht gewährt: Vielleicht in zwei Jahren, sagt ihnen der alerte Berater, wenn die Praxis neuen Schwung bekommen hat. Der alte Schmuckler überzog jeden Monat die Budgets und war saumselig mit den Abrechnungen - dafür gibt es keinen Kredit. Am nächsten Tag wird Antje tot in ihrer Wohnung gefunden: War es Schmuckler senior? Schmuckler junior? Oder dessen eifersüchtige Gattin? Gar die zornige Tochter des toten Otto Mühlhaus?

Es ist auch ein Drama über den Generationenkonflikt, um überteuerte Arzneien, leere Kassen, volle Wartezimmer und die Überforderung eines Berufsstandes. Der müde Dr. Schmuckler ist ein Menschenheiler, wie sie heute nicht mehr geschnitzt werden: Die Frage nach dem Täter ist eine Sache des "Tatort" - auf die Frage nach einer metaphysischen Schuld gibt es keine Antwort. "Edel sei der Mensch..." ist ein unaufdringlicher Film über die Einsamkeit in der Großstadt und die Brutalität der Entfremdung.

Tatort: Edel sei der Mensch und gesund ARD, heute, 20.15 Uhr