Bühne

Nein, liebe Theatermacher: Adolf Hitler war nicht lustig

Warum noch mal hat Adolf Hitler zusammen mit Parteigängern, Mitläufern, Wegguckern und Pflichterfüllern Millionen Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle verfolgt und umgebracht? Wegen seines Pillermanns! Denn, so weiß Rolf Hochhuth in seinem Un-Drama "Gasherd und Klistiere" von 2002: Er hatte nur einen halben.

Im vulgärpsychologischen Vorwort zur Posse, dem zweiten Teil des Stück-Zwitters, zitiert er die Aussage von Hitlers Schulkameraden "Eugen Wasner, der enthauptet wurde, weil er im Russlandfeldzug gesagt hat, er habe mit anderen Kindern in Leonding gesehen, wie ein Ziegenbock seinem Freund 'Adi den halben Zippedäus abgebissen' hat".

Hochhuth wurde gestern 80. Dass das kleine Jüdische Theater Bimah dem anwesenden Dichter mit einer Uraufführung gratuliert, muss man als PR-Gag werten. In einer Bücherecke rechts vor der Bühne sitzt ein junger Mann, der vorgibt, sich anhand der Hochhuth'schen Werke mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Als Erzähler kann er geschickt den gestelzten Monolog Jochen Kleppers aus dem Gasherd-"Requiem" des ersten Teils raffen. Doch dass Regisseur und Hausherr Dan Lahav die Rolle des Hitlers mit dem Seifenopern-"Star" Wolfgang Bahro besetzt, ist nur unter dem Posten Öffentlichkeitsarbeit zu verbuchen. Bahro wirkt wie eine äußerst müde Karikatur von Hitler.

Es ist ein moralinsaures Stückdoppel geworden: Der Irrsinn, dass Hitler seine getreue Diätköchin entlässt, weil sie Achteljüdin ist, wirkt schon bei Hochhuth nicht witzig. Stumm vor Staunen ist's im Saal während des "Requiems": Da verhandeln der Kirchenlieddichter Jochen Klepper, die jüdische Frau und die Tochter 1942, ob sie sich nun das Leben nehmen sollen oder ob es eine Chance auf Flucht gibt. Unzählige Selbstvorwürfe, historische Anmerkungen und Seufzer später spielen sie blinde Kuh - jeder darf einen Schalter des zentralen Gasherdes umlegen. Bis das Licht verlischt, husten, japsen, röcheln sie. Dann stehen die drei Schauspieler auf und verneigen sich. Die deutsche Geschichte soll und muss erinnert werden. Aber so nicht.

Jüdisches Theater Bimah , Jonasstr. 22, Neukölln. Tel. 251 10 96, Termine: 2., 7., 14.4.