Film

Was für eine Bank ist das wohl, die derart lässig zu führen ist?

Es gibt einiges zu loben an "Unter dir die Stadt": die Kamera entdeckt das Fotogene an Frankfurt, die Musik peitscht die Liebesszenen an und die Hauptdarsteller, Robert Hunger-Bühler als Bankchef Cordes und Nicolette Krebitz als Svenja, seine Geliebte, spielen hervorragend.

Was leider gar nicht stimmt, sind die Details, von der Chefsekretärin, die wie eine alternde Brigitte Nielsen aussieht, über den rosa Teppich im Großraumbüro bis hin zum Hauskonzert in der Taunusvilla des Vorstandsvorsitzenden, das in seiner provinziellen Biederkeit eher an einen Abend beim Chef eines regionalen Energieversorgers aus dem Ruhrgebiet erinnert. Von den Dialogen ganz zu schweigen: das Klischee von Bankern als Menschen, die nicht gebildet, sondern gut ausgebildet sind, mag zutreffen, aber derart banale Dialoge wie in diesem Film bekommt auch eine Gruppe von Frankfurter Bankern nicht ohne Weiteres hin.

Hochhäusler und sein Co-Autor, der Schriftsteller Ulrich Peltzer, haben für ihren Film in Frankfurt ausgiebig recherchiert, sie haben Bankvorstände getroffen und mit diesen sogar gegessen, wie Peltzer in einem Interview stolz zu Protokoll gab. Dennoch nähert sich ihr Film dem komplexen Milieu, das er abbilden möchte, ebenso einfältig wie ihre Bankerkarikaturen der Kunst auf einer bankinternen Vernissage. Auf dieser treffen sich die Blicke von Cordes und Svenja, der Ehefrau eines seiner Mitarbeiter, womit eine Affäre ihren Anfang nimmt. Cordes versetzt Svenjas Ehemann auf einen vakanten Posten in Asien, um mit ihr in Frankfurt in Ruhe etwas Zeit zu verbringen. Denn Zeit hat er genug, er scheint überhaupt nichts zu tun zu haben, er schaut fern, raucht Zigaretten, trifft sich mit Svenja in Hotels und wenn ihm langweilig ist, lässt er sich in seiner S-Klasse in eine Tiefgarage chauffieren, wo er einem Junkie beim Fixen zusieht.

Was für eine Bank ist das wohl, die derart lässig zu führen ist? Dem Regisseur zufolge handelt es sich um eine Großbank, worauf auch die stilechte Vorstandsetage schließen lässt. Gegen die Großbank spricht, dass Cordes in den mehreren Wochen, die der Film abbildet, kein einziges Mal verreisen muss. Josef Ackermann bekannte in einem Interview, dass er beim Aufwachen manchmal nicht wisse, in welcher Stadt er gerade sei. Weiterhin spricht gegen die Großbank, dass Cordes gleich an zwei Meetings teilnimmt, in denen es um ein Beratungsmandat geht, bei - was sonst - einer feindlichen Übernahme. Das ist für den Chef einer Großbank ein bisschen zu sehr Arbeitsebene.

Die Transaktion wird in der Bank von einem kleinen Team von Investmentbankern betreut, dessen Leiter über 60 Jahre alt zu sein scheint - in diesem Alter befinden sich Investmentbanker längst auf den ewigen Golfplätzen. Dennoch soll dieser Teamleiter Cordes als Vorstandschef nachfolgen - aber müsste er dann nicht erst einmal das gesamte Investmentbanking leiten, anstatt nur ein kleines Team in der Abteilung Fusionen und Übernahmen? Wäre sein Schreibtisch dann nicht in London? Käme er nicht eher aus dem Handel anstatt aus der Beratung, einem beinahe schon nostalgischen Geschäftsbereich, in dem die Volumina und Margen immer knapper werden?

Natürlich inszeniert Hochhäusler seinen Film in einer unterkühlten Welt aus glänzenden Oberflächen, auf hohen Etagen in gläsernen Hochhäusern, aus denen man nicht nur auf die Stadt herab, sondern - man ahnte es - auch in den Abgrund blickt. Aber in den glitzernden Fassaden der Finanzwirtschaft spiegeln sich nicht nur die farblosen Bankerchen, sondern auch die fröhlichen Apfelweinwirtschaften, in denen die lustigen Frankfurter Mädchen sitzen, denen schon Christian Kracht in "Faserland" eine Selbstverständlichkeit bescheinigte, "die man nirgendwo sonst in Deutschland findet." Die blasse, unschlüssige Berlin-Mitte-Elfe Krebitz wirkt vor diesem Hintergrund leider wie im falschen Film.

Der Autor hat jahrelang, bevor er Schriftsteller wurde, in zwei Investmentbanken gearbeitet und zwar im Bereich Fusionen & Übernahmen