Helge Schneider

Lachen über Dinge, die man eh nicht versteht

Es könnte sein, dass Helge Schneider der missverstandenste Komiker unserer Zeit ist. Allerdings ist überhaupt nicht klar, ob er Komiker ist oder Musiker. Sicher ist nur: Comedian ist er nicht. Es könnte sogar sein, dass er der traurigste Komiker ist.

Denn es scheint manchmal so, als würde er gar nicht soviel spielen. Als sei er einer, der es sich bequem gemacht hat, in der Rolle des Verrückten, weil er dort sein kann. Und das macht irgendwie traurig. Wie ein Tier im Zoo, das seine Gefangenschaft erträgt, weil es nicht flüchten kann. Es kann aber auch sein, dass das Werk von Helge Schneider Trost spendet, weil hier einfach gelacht wird über Dinge, die man eh nicht versteht.

Der Mann, der seit den 90ern jedem als verschrobener, infantil blödelnder aber genialer Jazzer bekannt ist, hat seine Tournee "Buxe voll" begonnen, die ihn noch bis Ende November von Berlin über Tuttlingen bis nach Palma de Mallorca führt. Heute steht er auf der Bühne des vollen Admiralspalastes, zusammen mit dem Gitarristen Sandro Giampietro, der mit blaue Paillettenhemd, roter Hose und Zylinder auf die Bühne kommt, dem Contrabassisten Rudi im grünen Jackett, der schon 76 Jahre alt ist und dem Schlagzeuger Willi Ketzer. Sie alle tragen alberne Klamotten und gerade das ist es, was ihnen große Würde verleiht.

Schneiders Humormarkenzeichen, haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren kaum verändert: Slapstick, liebevolle hämische Parodien auf die Kollegen, das Benutzen von absurden Fantasiewörtern, die Verweigerung des Reims und das Übertreiben bei Zeit und Raum. Etwa so: "Wir waren ganz nah dran. Es waren nur noch 1765 Kilometer." Es ist wirklich schwer verständlich, wenn die Dame eine Reihe weiter unaufhörlich quiekt wie ein Meerschweinchen, weil Schneider gerade eine Reihe von Namen aufsagt, die manchmal die Endung "kack" haben, aber bevor es unerträglich wird, sagt er selber: "Das ist jetzt blöde". Die Welt ist ja schon bescheuert genug, viel mehr braucht Schneider da eigentlich nicht Wirklich toll ist Helge Schneider, wenn er mit seinem Anderssein kokettiert. "Ich habe viel versucht zu arbeiten. Ich wollte so sein wie ihr. Aber gerade die leichte Arbeit ist ja sehr schwer." Wenn er singt: "Das Leben ist so frei wie die Natur" oder "In den 70ern, da war die Welt noch Rund, heute ist sie eckig, wegen dem vielen Beton." Und dann noch hinzufügt: "Kritik! Kritik!"

Er selbst bezeichnet sich an dem Abend als gesellschaftskritisch, aber ob es kritisch ist, wenn er davon singt, wie er das Meisennest beim Stutzen der Hecke mit der Kettensäge zerstörte oder ob es eine Ohnmacht vor dem gesamten Drama des menschlichen Daseins ist, das darf sich der Besucher aussuchen.