Friedrich Ani: Süden

Schönes Comeback: Friedrich Ani reanimiert seinen besten Ermittler

Friedrich Ani zieht seinen Figuren den Boden unter den Füßen weg und lässt sie schmerzhaft die eigene Machtlosigkeit spüren. Er erzählt von ihnen in einer Sprache, die in ihrer verführerischen Mischung aus Poesie und Sachlichkeit hierzulande ohne Vorbild sein dürfte.

In nur sieben Jahren hat Ani vierzehn Romane um Tabor Süden und die anderen Ermittler vom K 114 (Vermisste und unbekannte Tote) veröffentlicht. In "Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel" quittiert der Ermittler den Dienst. Das Genre sei ihm "zu nebenbei, zu wenig Erzählung vom Menschen", ließ Ani verlauten.

Das war voreilig, wie man inzwischen weiß. 2006 erschien der erste Band einer neuen Reihe um den Kriminalisten und Ex-Mönch Polonius Fischer, und im folgenden Jahr erfand Ani den blinden Kommissar Vogel. Und jetzt ist auch Süden wieder da. Sieben Jahre hat er im Kölner Exil als Kellner verbracht, nun lockt ihn ein Anruf wieder nach München. Sein seit Jahrzehnten vermisster Vater hat sich gemeldet.

Wieder daheim, heuert der Ex-Polizist bei einer Detektei an und übernimmt seinen ersten Auftrag: Vor zwei Jahren ist der Wirt Raimund Zacherl verschwunden; nun will seine Frau die Suche wieder aufnehmen. Süden ist der Mann dafür. Tatsächlich stellt sich heraus, dass niemand Raimund Zacherl wirklich kannte. Auch seine Frau nicht, von der man lange nicht weiß, warum sie Süden auf die Suche schickt. Den Fragen des Ermittlers jedenfalls begegnet sie feindselig, zumal dieser ihr vorwirft, nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. Um Raimund Zacherl zu finden, nimmt Süden den Zug nach Sylt. Denn dort hatte sich der (eigentlich kaum) Vermisste offenbar ein neues Leben aufbauen wollen. Und weil auch neue Leben vor Schicksalsschlägen nicht gefeit sind, ist er erneut abgetaucht. Dahin, wo ihn nur ein Süden finden kann, weil er diese Art der Zuflucht aus seiner eigenen Biografie kennt. Der neue Roman ist vielleicht der zwar verspätete, aber eigentliche Abschluss der Reihe.

Friedrich Ani: Süden Droemer, München, 368 Seiten 19,99 Euro