Jeffrey Deaver: Opferlämmer

Mord aus der Leitung: Kann man mit Steckdosen töten?

Lincoln Rhyme ermittelt seit 14 Jahren. Der Ex-Cop musste sich in acht spektakulären Fällen sadistischen Serienmördern, brillanten Verbrechern und skrupellosen Auftragskillern stellen - und seinem Schicksal: US-Autor Jeffrey Deaver hat mit Rhyme einen vom Hals an abwärts gelähmten Ermittler erdacht. Rhyme ist eher Wissenschaftler als Detektiv.

Mit seinen akribischen Analysen der Tatorte, die in den Büchern die Gestalt ausufernder Tabellen annehmen, wurde er so zum Paten aller Crime-Scene-Serien im Fernsehen und zusammen mit Partnerin Amelia Sachs zur festen Größe der Krimiwelt. Jetzt hat Jeffrey Deaver für sein Team einen neuen, spektakulären Fall. Im New Yorker Stadtteil Harlem stirbt jemand einen besonders scheußlichen Tod: An einem Umspannwerk kommt es zu einer Überlastung, die sich in einem gigantischen Blitz entlädt. Das war kein Zufall, wie sich bald herausstellt. Ein Insider, so zeichnet sich ab, hat Software und Leitungen manipuliert. Der Unbekannte stellt Forderungen und droht mit weiteren Attentaten.

In seinen bisherigen Büchern zeichnete sich der Autor dadurch aus, dass er wie kaum ein anderer raffinierte Plots mit überraschenden Wendungen erdachte. Das gelingt ihm in "Opferlämmer" auch. Die Grundidee allerdings, den lebensnotwendigen Saft aus der Steckdose zum Mordwerkzeug umzufunktionieren, wirkt überambitioniert. Zudem erliegt Deaver einer Versuchung, der US-Autoren in den letzten Jahren immer öfter nachgegeben haben: Deaver konstruiert zumindest einen halben Weltverschwörungsplan. Im Labor seines Ermittlers jedenfalls wimmelt es nur so von FBI-Beamten und Heimatschutz-Vertretern. In der Zentrale und am Tatort herrscht aktionistisches Gedränge - und leider dann und wann auch auf den Seiten.

Jeffrey Deaver: Opferlämmer Blanvalet, München 576 Seiten, 19,99 Euro