Richard Stark: Sein letzter Trumpf

Tot ist tot, Waffe ist Waffe - und Parker ist Parker

Richard Starks Parker-Bücher zu loben ist so originell, wie zu behaupten, Sushi sei "was mit Fisch". Trotzdem bleibt die Qualität eine Tatsache. Die Romane sind auch deshalb so verführerisch, weil der Held selbst neuen Lesern wie ein alter Bekannter vorkommt.

Der gesichtslose Räuber und seine Arbeitsweise sind tief im kulturellen Gedächtnis verankert, ein amoralischer Berufsverbrecher, der stoisch das tut, was er am besten kann. Seine Abgeklärtheit gründet auf Erfahrung, Gewalt ist Handwerk.

Im neu erschienenen Band "Sein letzter Trumpf" geht es um ein schwimmendes Kasino auf dem Hudson River. Parker mag keine Schiffe. Aber die Orte mit massig Bargeld sind rar, also schmiedet er einen Plan, sucht Helfer, geht los. Die Beute beträgt übrigens 400 000 Dollar, kein allzu hoher Einsatz. Das angenehme an Parkers Beutezügen sind eben auch die realistischen Summen. Natürlich gibt es Hürden und Hindernisse. Auch Gier spielt eine gewichtige Rolle, wie so oft gepaart mit Dummheit. Dies ist das Schicksal des Professionellen, irgendwo ist immer einer überfordert.

Der Roman ist von 1998, kurz nachdem der Schriftsteller Donald Westlake unter seinem berühmtesten Pseudonym Parker hatte wieder aufleben lassen. Zwischen 1975 und 1998 "wollte er meine Anrufe nicht beantworten", schrieb Westlake. Man fährt jetzt japanische Autos. Es gibt Faxgeräte, aber irgendwie noch kein Internet. Parker ist es einerlei. Der Mann der frühen sechziger Jahre wirkt wie ein Relikt, ohne larmoyant zu sein, er ist zeitlos, aber mit Historie. Er geht seinen Weg, notfalls über Wasser. Auch wenn ein Plan manchmal kein Plan ist: Waffe ist Waffe. Tod ist Tod. Parker überlebt alle.

Richard Stark: Sein letzter Trumpf. Zsolnay, München. 282 S., 17,90 Euro.