Ausflugstipp

Vom Viktoria-Luise-Platz durch das Bayerische Viertel

Ruhe hatte der Gartenbaukünstler Fritz Encke im Sinn, als er den Viktoria-Luise-Platz entwarf. "Ruhe" nannte er auch seine Pläne, mit denen Kaiser Wilhelm II. sehr zufrieden war. Noch heute gilt das Areal neben dem Pariser Platz und dem Gendarmenmarkt als eines der schönsten Ensembles Berlins. Die Anlage strahlt Herrschaftlichkeit aus, die prächtigen Häuser rundherum unterstreichen das.

Wir verlassen den Platz auf der Motzstraße, überqueren die Nachodstraße, schlängeln uns über die Bamberger Straße erneut in die Motzstraße und erreichen den (1) Prager Platz. Hier ist von der alten Bebauung wenig erhalten. Dabei kommt dem Platz eine besondere Bedeutung zu: Johann Anton Wilhelm von Carstenn entwarf ihn 1870 als Teil seiner "Carstenn-Figur", die Prager-, Nikolsburger-, Fasanen- und Nürnberger Platz verbindet. Der Prager Platz war einst Treff von Künstlern und Intellektuellen. Maxim Gorki, Vladimir Nabokov, Boris Pasternak und andere russische Künstler trafen sich in der Prager Diele an der Ecke Trautenaustraße, und in der Nachbarschaft lebten Albert Einstein, Egon Erwin Kisch und Erich Kästner. An den Kinderbuchautor, der in "Emil und die Detektive" den Prager Platz erwähnt, erinnert eine Gedenktafel am heutigen Haus Prager Straße 6. Auch den Nikolsburger Platz (2) erwähnte Kästner: Hier wurde die Verfolgung des "Mannes mit dem steifen Hut" geplant. Reizvoller Mittelpunkt ist der Gänselieselbrunnen (Foto). Am Rand des Platzes zieht das Cäcilien-Lyzeum die Blicke an.

Auf der Landhausstraße wandern wir zur Güntzelstraße, biegen links ab und folgen der Straße bis zur Aschaffenburger Straße. Wir sind im Bayerischen Viertel, früher ein jüdisches Zentrum, bis die Nazis 1943 rund 6000 der einst etwa 16 000 jüdischen Bewohner in Vernichtungslager deportierten. Zum Gedenken an die Opfer haben die Künstler Renata Stih und Frieder Schnock 1993 hier "Orte des Erinnerns" eingerichtet - 80 Tafeln an den Masten von Straßenlaternen, die Gesetzestexte oder Bilder zeigen. Auf der Aschaffenburger Straße erreichen wir den (3) Bayerischen Platz. Der Rosenheimer Straße folgen wir bis zur Eisenacher Straße und halten uns links. Wir gehen vorbei am Alice-Salomon-Park und umrunden den Barbarossaplatz. Dessen Blickfang, der 1913 erschaffene Kinderbrunnen, hält schon Winterschlaf. Über Traunsteiner- und Martin-Luther-, Hohenstaufen- und Münchener Straße geht es zurück zum Viktoria-Luise-Platz. An Nr. 11 erinnern Tafeln an zwei prominente Bewohner: Der Musiker Ferruccio Busoni (1866-1924) und der Regisseur Billy Wilder (1906-2002) genossen hier einst den Ausblick auf die prächtigen Häuser.

Start/Ziel: U-Bhf. Viktoria-Luise-Platz

Dauer: zwei Stunden

Zahlreiche Cafés an der Strecke