Trauerfeier

Bewegender Abschied von Wolfgang Spier

Wehmütige Erinnerungen bei den geladenen Schauspielern gestern Abend im Foyer des Theaters am Kurfürstendamm: Im September vergangenen Jahres hatten sie noch den 90. Geburtstag von Schauspieler und Regisseur Wolfgang Spier nebenan in der Komödie gefeiert.

Jetzt, nur wenige Monate später, nahmen sie bei einer bewegenden Trauerfeier Abschied vom König des Boulevards. "Theater ist mein Leben" stand in silbernen Buchstaben auf dem dunkelblauen Papier der Einladung zur Feier und dem anschließenden Empfang.

Sein schlichter, hellbrauner Sarg war mitten auf der Bühne, auf der er so viele große Erfolge gefeiert hatte, über und über mit bunten Blumen geschmückt - so bunt, wie sein Leben war. "Mit ihm geht eine Epoche des Berliner Theaters zu Ende", sagte Schauspielerin Judy Winter. Sie bedauerte, dass sie nie die Gelegenheit hatte, mit Spier zu arbeiten. "Aber er hat mir als Zuschauerin so viel Freude gemacht." Trotz der Trauer um den Verlust des großartigen Mimen mit der unverkennbaren, hohen Stimme, gab es bei den Erinnerungen der Geladenen auch Momente des Schmunzelns. Etwa, als Schauspielerin Anita Kupsch von der Probenarbeit mit Spier erzählte: "Nachdem ich ihm meine Idee von der Szene vorgespielt hatte, sagte er nur, das ist wunderbar, das lassen wir weg."

Susanne Juhnke, deren verstorbener Mann einst mit Spier in dem Stück "Sonny Boys" am Kurfürstendamm Triumphe feierte, sagte: "Sein Humor war einzigartig." Humor, so führte der Pfarrer in seiner zu Herzen gehenden Rede an, sei nicht nur, wenn man trotzdem lacht, sondern vor allem, wenn man sich nicht unterkriegen lässt. Auch dafür sei Wolfgang Spier ein Beispiel gewesen.

TV-Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann, der gerade von Dreharbeiten aus Kambodscha kam, über Spier: "Er wusste eben genau, wie man Pointen setzt. So einer wie er kommt nicht mehr nach."

Johannes Heesters Ehefrau Simone Rethel sagte: "Wolfgang Spier hat mir einst als junger Schauspielerin einen Rat gegeben, der mein ganzes Leben verändert hat. Ich solle immer neugierig bleiben, hat er damals gesagt." Uschi Heyer erzählte, dass man mit Spier nach der Vorstellung "so wunderbar feiern" konnte. Liebevolle Worte fanden auch der langjährige, ehemalige Theaterchef Jürgen Wölffer und sein Sohn und Nachfolger Martin Woelffer vor den versammelten Trauergästen. Jürgen Wölffer: "Du konntest das Ernste so leicht und das Leichte so ernst gestalten. Du wirst uns sehr fehlen, auf und hinter der Bühne." Und Martin Woelffer fügte hinzu: "Jetzt hast du das Leben losgelassen. Nun müssen wir dich loslassen, damit du im Künstlerhimmel sein kannst." Dort, da ist sich Schauspieler Thomas Fritsch sicher, "wird Wolfgang bereits an einer Neubearbeitung von ,Sonny Boys' mit Harald Juhnke arbeiten."

Der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Spier war am 18. März an einem Herzinfarkt gestorben.