Peter Licht

Der Erlöser des Pop meldet sich zurück

Die allumfassende Größe dieses Konzertabends wird klar deutlich, als es zu einem Zwischenfall kommt.

Es sind sechs Lieder gespielt, da sorgt eine Art Flitzer im Kulturkontext für Verwirrung, als er erst seine im Ed Hardy Stil verzierte Jacke vom zweiten Rang auf das Parkett des Deutschen Theaters wirft, um ihr kurze Zeit später zu folgen und neben der Bühne eine Art Lap-Dance auf einem unbeteiligten aber dummerweise am Rand sitzenden Herren aufzuführen und dann seinen gestählten und tätowierten Oberkörper ohne störendes Textil zu präsentieren. Peter Licht singt derweil auf der Bühne "Hauptsache wir sitzen am Ende alle im selben Heim", und hätte man die Mitarbeiter nach dem Ende des Konzertes nicht belauscht, man hätte gedacht, der junge Mann sei Teil des neuen Programms, das Licht "Neue Idee" genannt hat. Aber nein, er sei wohl etwas unzufrieden gewesen, hört man später, dass die anderen nur da gesessen hätten und, dass er nicht richtig abfeiern konnte zu der Musik von Peter Licht und seiner Band, dem Mann, der den Bachmann Preis gewann und den Kritiker vor Jahren als Intellektuellen Erlöser des Pops sahen, sang er doch vom Ende des Kapitalismus und verwehrte sich dem visuellen Verwertungssystem, indem er sein Gesicht nicht fotografieren ließ.

Mit Überzeugung seiner Freundin, verlässt der feierwütige Mann kurz darauf den Theatersaal und alles ist wieder ernst oder doch zumindest nachdenklich. Was schade ist, zeigte der junge Mann doch so hervorragend wie gut Licht wirklich ist, weil er eben auf so vielen Rezeptionsebenen funktioniert - nicht nur auf den rot samtenen Theatersesseln, sondern auch bei Trinkgelagen in Vorstädten und auf Festivalbühnen. Denn was Licht singt ist Poesie, die manchmal auch genauso gut die sinnverwaschenen Spaß-Texte von jemandem sein können, der das Leben auf die leichte Schulter nimmt. Lichts Texte, der um die 40 Jährige Musiker, Literat und Theatermann, singt von Blumen aus Hass, die man auf Torten setzt, er singt, dass die Erfindung des Systems, die Erfindung der Flucht ist oder, dass die Gesellschaft toll ist, wenn nur die ganzen Leute nicht wären. Dazu spielt er Gitarre oder Cello.

Es ist Musik, die bei den meisten Stücken daran vorbeischliddert Stoffturnschuhmusik zu sein. Wenn man sie Indie-Rock nennen mag, ist das die gute, die mehr will als, Matschgefühle. Sie macht den Abend zu einem wunderbaren Hörspiel. Will man ein übergeordnetes Thema des Programms finden, so könnte es vielleicht der Mensch sein und seine Überzahl. Licht liest einen Text, der auch davon handelt, dass überall Lebewesen sind, so viele, dass man es sich kaum vorstellen kann. Er singt vom "absoluten Glück, als der allerletzte Mensch an der Rampe zu stehen" und ruft: "Die Leute in unseren Köpfen sagen, ihr kriegt uns hier nicht raus". Und bevor man eine deutliche Spur erkennen kann, singt er von der Sonne, der gelben Sau und transsilvanischen Verwandten, die zu Besuch sind.

Sein fünftes Album erscheint erst im Laufe des Jahres. Es ist eine sympathische Entscheidung, es jetzt schon aufzuführen, nicht als Bewerbung, sondern als das was es sein soll, ein Liederabend. Über zwanzig davon spielt Licht. Alte und neue. Es scheint nie zu spät zu sein, die Grandiosität Lichts zu entdecken.