Alex Pettyfer

Der Schöne ist das Biest

| Lesedauer: 7 Minuten
Peter Zander

Wir haben es ja schon immer gewusst. Schöne Menschen haben's leichter. Die kommen einfach weiter im Leben. Das darf man natürlich nicht laut sagen, es klingt zu sehr nach Neidfaktor.

Aber endlich sagt es doch mal einer. Und auch noch ein Schönling. Der meint das auch noch ganz ernst. Ein echtes Ekelpaket. Aber er bekommt das voll heimgezahlt. Eine Hexe verwünscht ihn und schwups! wird aus dem attraktiven Blondi ein kahlköpfiger, vernarbter und verwarzter Freak. Das Ganze ist ein Film, heißt "Beastly" und ist, kaum verhohlen, eine Highschool-Variante von "Die Schöne und das Biest". Auch hier gibt es ein Mädchen, das den Verhexten erlösen könnte. Aber irgendwie übernimmt der männliche Darsteller diesmal beide Rollen: der Schöne und das Biest.

Alex Pettyfer spielt dieses Doppelgesicht. Der Brite ist gerade schwer angesagt im Filmgeschäft, der kommende Star, wird schon gemunkelt, der neue Robert Pattinson. Der Typ sieht sooo gut aus, schwärmt eine ihn betreuende Pressedame; sie weiß nicht, dass wir mithören. Aber wir bestätigen es neidlos. Es gibt da lediglich eine ganz kleine Wucherung am Nasenflügel, aber das ist wie ein Schönheitsfleck, den man absichtlich drauf tupft, damit die Restschönheit überhaupt erträglich wird.

Mit sechs im Spielzeugladen entdeckt

Die Deutschen haben noch nicht so viel von Mister Pettyfer gehört. Dabei ist der junge Mann trotz seiner 20 Lenze schon seit Jahren im Geschäft. Der Brite ist der Sohn eines Models, Lee Ireland, und eines Schauspielers, Richard Pettyfer. Er hat konsequent erst die Karriere von Mama und dann die von Papa übernommen - und beide links überholt. Mit sechs soll ihn Ralph Lauren persönlich entdeckt haben, im Spielzeugladen. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Pettyfer grinst nur darüber und lässt das einfach so im Raum stehen. Jedenfalls war er danach Model, für Lauren, Gap und Burberry. Er lernte damals schon, vor der Kamera zu stehen. Und die hat ihn lieben gelernt.

Mit 15 wechselte Alexander Richard Pettyfer, den seine Freunde kurz "A" nennen, dann ins darstellerische Fach. Erst mit dem TV-Film "Tom Brown's Schooldays", in dem er gleich die Hauptrolle bekam. Und dann in einem ziemlich coolen Kinofilm, "Stormbreaker", der bei uns seltsamerweise nur auf DVD erschien. Da spielt Ewan McGregor seinen Onkel, ein Spion, der gleich zu Beginn aus dem Film geschossen wird. Und Alex muss seinen Job übernehmen. Das war konsequent 007 auf Teenie-Niveau. Seither kennen die Briten "ihren" Pettyfer. Der aber bezog schon bald einen Zweitwohnsitz in Kalifornien. Und wird dort nun konsequent zum Teenie-Schwarm aufgebaut.

Dieses Jahr kommt er jetzt gleich mit drei Filmen groß heraus, auch bei uns in Deutschland. Seit einer Woche läuft bereits "Ich bin Nummer Vier", in dem er ein Alien spielt, am 7. April, drei Tage vor seinem 21. Geburtstag, startet "Beastly" und im Herbst folgt das Science-Fiction-Epos"Now". Das ist vielleicht eine hübsche Masche, um das Beauty-Image aufzubrechen. Der ist nicht von dieser Welt; zu schön, um Mensch zu sein: Da liegt man bei Nummer Vier goldrichtig. Als Mann vom anderen Stern passieren ihm lustigerweise ganz ähnliche Dinge wie als Biest: Erst darf er seinen Pracht-Oberkörper zur Schau stellen, dann muss er sein Leben aufgeben, muss sich verbergen. Und in beiden Filmen kriegt er dicke Narben - und seine Haut leuchtet.

Alien und Biest passen auch ganz gut zu Robert Pattinsons Vampir aus der "Twilight"-Serie. Un- und übermenschliche Jungens kommen bei pubertierenden Mädels derzeit offenbar prima an. Pettyfer-Pattinson: ein Duell der schönen Fremden. Pattinson, vier Jahre älter, stammt ebenfalls aus England, begann auch mit 15 zu schauspielern und stand vor drei Jahren, mit dem "Twilight"-Start, ziemlich genau da, wo Pettyfer jetzt ist. "Nummer Vier" ist ungeniert auf eine Fortsetzung angelegt, offenbar schielt man schon auf eine "Twilight"-Ersatzdroge. Und Pettyfer ist mindestens so attraktiv wie Pattinson - aber nicht gar so leichenblass. Der Ablöse-Vergleich zeigt allerdings auch, dass die Halbwertszeit für ein Teenie-Idol immer kürzer wird.

Das ganze Trara um seine Person lässt Alex ziemlich an sich abprallen. Will man ihn auf sein Schönchen-Image ansprechen, kokettiert er nur: "Sie finden, dass ich gut aussehe? Danke für das Kompliment." Von dem Vergleich mit Pattinson will er nie etwas gehört haben. Und was den Hype um den Mädchenschwarm angeht: "Wo sind denn die Mädchen, die in Scharen vor dem Hotel warten?" 1:0 für ihn, da war wirklich niemand. Er könne jetzt sofort auf die Straße gehen, wettet er, und keiner würde ihn erkennen. Das stimmt wohl auch. Noch. Aber das könnte spätestens nach "Beastly" anders werden. Im Internet gibt es dagegen schon eine regelrechte Pettyfer-Hysterie. Da erfährt man alles über seine fünf Tattoos, seine Legasthenie und eine Kurzzeitbeziehung zu "Nummer Vier"-Partnerin Dianna Argon. Man kann sich dort online sogar an einem "Birthday Project" zu seinem 21. Geburtstag beteiligen. Auf Youtube ist sein ganzes bisheriges Wirken auszugsweise nachzuholen - inklusive denkwürdiger Momente wie jener, als Ellen De Generes ihn in ihrer Talkshow dazu überredete, sein Hemd auszuziehen. Er machte tapfer mit. Sehr zum Jubel des Publikums.

Ein Star mit irdischen Plagen

Das alles scheint Alex Pettyfer eher unangenehm. Oder er kokettiert auch damit - und genießt es insgeheim. Beim Gespräch, das wir anlässlich der Berlin-Premiere von "Ich bin Nummer Vier" führen, ist er indes nicht ganz bei der Sache. Er lässt sich nicht allein interviewen wie Dianna nebenan. Er sitzt lieber neben seinem Regisseur D.J. Caruso. Das ist nicht ohne Ironie: Auch im Film hat er einen Wächter, der immer aufpasst, was er tut. Pettyfer lässt lieber ihn reden. Und als er doch mal etwas sagt, was über Nettigkeiten und Plattitüden hinaus geht, bellt eine ebenfalls anwesende Assistentin, die sich sonst betont desinteressiert im Hintergrund hält, ein barsches "Alex, no."

Ansonsten ist Pettyfer überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Ständig kratzt er sich am Oberarm oder unterm Shirt. Und irgendwann wird uns klar: Er drückt sich Pickel aus. Er hat offensichtlich Akneprobleme. Das ist nicht besonders höflich, aber irgendwie doch tröstlich. Nobody is perfect , auch ein Hollywood-Beau nicht.