Deutsch-polnische Ausstellung

1000 Jahre Geschichte auf 3200 Quadratmetern

Museumsmenschen denken in Jahren. Vielleicht sogar in Jahrzehnten oder Jahrhunderten, vor allem wenn die Ausstellung, um die es hier geht, einen Zeitraum von 1000 Jahren umfassen soll. Deswegen ist es für Gereon Sievernich, Direktor des Martin-Gropius-Bau, auch völlig normal, eine Pressekonferenz ein halbes Jahr vor Eröffnung anzusetzen.

Die Frage eines Journalisten zu diesem ungewöhnlichen Vorlauf bügelt er deshalb als "rhetorisch" ab. Nicht kommentieren, weil er es nicht gehört hat, kann er aber das Geflüster einer Dame in der ersten Reihe, die sich umdreht und jemandem zuflüstert: "Das ist ja furchtbar, was die da vorhaben!"

Dieser Satz mag vor allem damit zu tun habe, dass es das Team auf dem Podium noch nicht geschafft hat, genau zu vermitteln, was dieses Mammutprojekt zur deutsch-polnischen Geschichte im Einzelnen ausmachen wird. "Tür an Tür", soviel steht fest, ist der Titel der Ausstellung die 1000 Jahre Beziehung zwischen Deutschland und Polen sowohl geschichtlich als auch künstlerisch darstellen will. Auf den 3200 Quadratmetern im Erdgeschoss werden etwa 700 historische und zeitgenössische Exponate ausgestellt - darunter Gemälde, Skulpturen, Drucke, Handschriften, Fotografien, Grafiken und Filme.

Kunst aus 1000 Jahren

Während der Pressekonferenz wurden 25 der Exponate bereits an die Wand projiziert: darunter eine handschriftliche Partitur der "Polonia" von Richard Wagner von 1835, ein "Polnisches Gebetbuch aus dem Scriptorium des Zisterzienserklosters Mogila bei Krakau" aus dem 15. Jahrhundert sowie ein verstörendes Kunstwerk von Günther Uecker aus dem Jahr 1982: "Splitter für Polen".

Die Ausstellung, die am 3. September starten wird, steht im Zusammenhang einer großen Offensive der Öffentlichkeitsarbeit, die Polen gerade durchführt, um sich als das weltoffene Land zu präsentieren, zu dem es in den vergangenen Jahren geworden ist. Polen war in diesem Jahr Partner der Grünen Woche und der Internationalen Tourismus-Börse, wird im kommenden Jahr Partner der Cebit sein. Ab Juli wird das Nachbarland erstmals die Europäische Ratspräsidentschaft übernehmen und im Sommer 2012 außerdem zusammen mit der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft ausrichten.

Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele, betont, dieses Museums-Projekt sei das größte für seine Institution in diesem Jahr, vor allem finanziell. Er hofft, dass "Tür an Tür" dabei hilft, Polen zu einem ähnlich engen Partner zu machen, der Frankreich bereits heute sei. Außerdem konnte er verkünden, dass beide Staatspräsidenten ihr Kommen zu Eröffnung zugesagt haben.

Gropius-Direktor Gereon Sievernich und die polnische Kuratorin Anda Rottenberg bleiben ebenfalls noch recht vage, was den Inhalt der Ausstellung angeht und vermitteln lieber einen ausführlichen geschichtlichen Abriss - und betonen mehrfach, dass es die "größte Ausstellung"zu diesem Thema sein wird. Sie verschweigen dabei nicht, dass es erst vor zwei Jahren es die Ausstellung "My, berlinczycy!" oder "Wir Berliner" gab, in der auf 300 Jahre deutsch-polnische Geschichte eingegangen wurde. Im Jahr 2005 wiederum eröffnete das Museum Europäischer Kulturen die große Ausstellung zum Thema "Polenbegeisterung".

Die Mitarbeiter dieser beiden Projekte sitzen im Team von "Tür an Tür". Doch auch sie konnten bei der Pressekonferenz den Funken noch nicht entzünden, der sonst den üblichen Besucherstrom im Gropius-Bau auslöst, wie aktuell die MoMA-Ausstellung. Immerhin: Schüler und Studenten sollen "Tür an Tür" kostenlos besuchen dürfen - aber nur, wenn sie sich zu einer Führung anmelden. Auch dafür haben sie noch ein halbes Jahr Zeit.