Festival "Reality Kills"

Wenn Superhelden die Theaterbühne entern

Schwarz gefärbte Pfauenfedern. Ein eleganter Fächer, angeblich aus den vierziger Jahren. Besitz der Startänzerin von "Les Girls", erzählt Hauke Heumann in der Theateradaption des Comics "Alans Krieg". Ehrfürchtig präsentiert der Schauspieler das Erinnerungsstück: Den Fächer der berühmten Burlesque-Darstellerin habe der junge amerikanische Soldat Alan Cope ergattert.

Seinen Zwischenstopp in New York nutzte er für einen Besuch in der Radio City Music Hall, dem weltberühmten Vergnügungstempel. Die erotische Initiation in Sascha Hargesheimers Inszenierung besteht im Comic von Emmanuel Guibert aus einem einzigen Bild oder "Panel" - der Leuchttafel, die schlicht ein Konzert ankündigt. Virtuos spielt die Inszenierung mit dem Thema der Vorlage: der Zweifelhaftigkeit individueller Erinnerung. Was hat Alan wirklich erlebt? Sein Kampfeinsatz ist unspektakulär. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs landet der Panzerfahrer in der Normandie und fährt dem Kriegsgeschehen hinterher, bis Prag. Keine Schlachten, kaum Tote, sondern eine Grand Tour mit dem Kettenfahrzeug.

"Alans Krieg" ist ein gelungener Auftakt zum Festival "Reality Kills" am Maxim Gorki Theater. Sieben Tage "Kriegsbilder im Comic und auf der Bühne". Weshalb? Eine Hinwendung zu Reportagethemen in Comic wie Theater fiel den Dramaturginnen und Festival-Kuratorinnen Nele Weber und Nina Rühmeier auf. "Reality Kills" erforscht nun die Erzähltechniken der beiden Medien.

Vielfältig ist das Programm. Inszenierungen, Lesungen, Gespräche eröffnen neue Perspektiven auf das Verhältnis von Krieg, Comic und Theater. Andreas Platthaus, Journalist und Comic-Experte, benennt in einer Podiumsdiskussion einen wesentlichen Unterschied: Das Theater habe es sehr schwer, Krieg zu inszenieren, der Comic hingegen leicht. Ein Zeichner könne Raum, Zeit und Handlung frei gestalten - Stichwort Superhelden -, während das Theater mit begrenzten Mitteln arbeite. Manch eine Beschränkung offenbart die krachledern komische Improvisation zu "Asterix als Legionär". Den Galliern genügen im Comic zwei, drei Panels, um eine Legion Römer zu vermöbeln. Auf der Bühne dauert das. Auf- und Abgänge, Kostümwechsel, Dialoge - das Theater erweist sich als recht behäbig.

Davon kann bei der Produktion "Barbarellastrip" des Kunstkollektivs copy & waste keine Rede sein. Was haben Jane Fonda und KT Guttenberg gemein? Beide verkörpern die Verbindung von Glanz und Politik: Guttenberg als adelig-glamouröser Verteidigungsminister, Jane Fonda als "Barbarella" in der Comicverfilmung und als "Hanoi Jane", die sich gegen den Vietnam-Krieg engagiert. Beiden entgleitet letztlich ihr mediales Image. Im pornopink befellten Container-Boudoir spricht Janna Horstmann die Jane in distanzierendem Stakkato à la Pollesch. Steffen Klewar, mit Gelfrisur und seifigem Lächeln, lässt den Ex-Minister in Afghanistan mit seiner Gattin busseln, die so puppig aussieht wie Barbarella.

Maxim Gorki Theater , Am Festungsgraben 2, Mitte. Tel. 20 22 11 15. Bis 26. März