Bühne

Lothar Zagrosek entdeckt die Oper von Carthago wieder

Die fünfaktige Oper "Aeneas in Carthago" von Joseph Martin Kraus wurde halbszenisch im Konzerthaus aufgeführt. Kraus, 1756 geboren, starb 1792. Weitere sieben Jahre mussten vergehen, bis seine "Aeneas"-Oper in Stockholm das Licht der Bühnenwelt erblickte.

Betrüblicherweise erlosch es allzu bald. Chefdirigent Lothar Zagrosek hat ihn nun dankenswerterweise seinem Konzerthausorchester aufgeladen, das eifrig versuchte, ihn neu zu beleben. Das gelang freilich nur halb und halb, am glücklichsten, wenn die beiden Göttinnen Juno und Venus über die Köpfe der Zuhörer hinweg sich gegenseitig befetzen.

Die eine steht nah am Rande des linken Balkons, die andere gegenüber. Zeitweilig rücken sie einander vor Wut sogar hautnah auf den Pelz, bevor sie sich, noch immer hassvoll, trennen und die Furie der rechten Seite, nun geifernd auf die gegenüberliegende Balkonhälfte übergesiedelt, die Schimpfkanonade fortzusetzen vermag. Cornelia Horak als Juno und Catriona Smith als Venus pöbeln sich mitreißend und hingebungsvoll an.

Sie tun es über Simone Schneider hinweg, die sich als Dido vorstellt, ohne sich durch ihre Singkunst ins Herz des Publikums zu stehlen, sondern sich einzig, ganz nach dramaturgischer Vorschrift, ins Herz des Aeneas schmeichelt. Den singt Dominik Wortig durchgehend mit zündendem musikalischem Schneid. Das Orchester, auf die eine Podiumshälfte beiseite gedrängt, spielt zuhöchst aufmerksam. Der Rias Kammerchor singt, wie immer, mit tiefem Werkverständnis.