Konzertkritik

Philharmonie: Kent Nagano redet und dirigiert bewegend

Tod und Verklärung gleich dreimal an einem Konzertabend.

In der Philharmonie trat Kent Nagano vor das Deutsche Symphonie Orchester und richtete eine bewegende Ansprache an den anwesenden japanischen Botschafter, ihm und seinem Volk das tiefe Mitgefühl der Musiker zu versichern. Am Ende des Abends klang die wundervolle Gedenkmusik auf, die Bruckner nach dem Tode des verehrten Richard Wagner als Adagio in seine 7. Sinfonie einbettete. Nagano und sein Orchester bescherten Bruckners Werk eine schier ideale Aufführung, forsch und nachdenklich, volltönend und mitreißend.

Die dritte mit Tragik versetzte Verklärung hatte Wolfgang Rihm komponiert. "Im Gehege" hat er die "nächtliche Szene" genannt, die er dem Schauspiel "Schlusschor" von Botho Strauß entnahm. Eine Dame verschafft sich nachts Zutritt zum Käfig eines Steinadlers im Zoo, sich vom Schnabel des ungeheuren Tiers zerfleischen zu lassen. Der Adler aber kehrt der Frau unbeirrbar den Rücken. Er bleibt friedlich, unbeteiligt: ein Tauber, Blinder oder Heiliger unter den monumentalen Raubvögeln. Das wird ihm zum Verhängnis. Die Dame zerfleischt ihn. Am Ende steht sie blutüberströmt da, von oben bis unten bekleistert mit Adlerfedern.

In der Philharmonie ging es nicht ganz so blutig zu. Rayanne Dupuis sang unbeirrt an gegen das wiederholt stürmische Aufrauschen der Windmaschine, überstand alle ihr von Rihm auferlegten vokalen Herausforderungen auf die imponierendste Weise, durchstand schmal und schlank und hochgewachsen in ihrem glitzernden Abendkleid die seltsame Zoo-Tragödie. Sie hörte sich an wie ein ungeheuer seltsamer Nekrolog auf unser liebes Eisbärchen Knut.