Fernsehen

Scheingeschäfte beim Kinderkanal

Es ist ein erneutes Desaster für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR): Weil im Sender jahrelang alle Kontrollen versagten, konnte der Herstellungsleiter des Kinderkanals (KI.KA) unbehelligt externen Firmen Geld für erfundene Dienstleistungen anweisen - und dabei offenbar zwischen 2002 und 2010 Beträge in Millionenhöhe für sich selbst abzweigen.

Dem von ARD und ZDF betriebenen KI.KA sei dadurch ein Gesamtschaden von 8,2 Millionen Euro entstanden, hält der am Freitag vorgelegte Abschlussbericht von MDR und ZDF fest.

Die Konsequenzen tragen nun vor allem MDR-Manager, die für die Aufsicht zuständig waren. Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser stellt sein Amt zur Verfügung, um einen personellen Neuanfang zu ermöglichen. Zugleich betonte er, dass er dadurch kein eigenes Verschulden anerkenne. Eine Ermahnung erhält der für den KI.KA zuständige MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze. Der Programmgeschäftsführer des KI.KA, Steffen Kottkamp, wird wegen "mangelnder Ausübung seiner Kontrollfunktion" abgemahnt. Das ist mehr als im Fall des früheren MDR-Sportchefs Wilfried Mohren, der vor einigen Jahren wegen Bestechlichkeit verurteilt wurde: Damals hatte der Sender lediglich seine Transparenzregeln verschärft.

Die Revisionen von MDR und ZDF kommen in ihrem vorläufigen Abschlussbericht zur KI.KA-Affäre zu dem Ergebnis, dass von 2002 bis 2010 "kriminelle Scheingeschäfte" mit insgesamt fünf Firmen abgewickelt wurden, die alle auf den früheren Herstellungsleiter des KI.KA zurückzuführen seien. Neben der Berliner Firma Kopp-Film in Mitte gehe es dabei um vier weitere Unternehmen, die "Geld für Rechnungen bekommen haben, hinter denen offenbar keine tatsächlichen Leistungen standen".

Ins Rollen gekommen war der Fall Anfang Dezember, als der KI.KA-Herstellungsleiter verhaftet und wenig später fristlos entlassen wurde. Im beschaulichen Erfurt, wo der Kinderkanal seinen Sitz hat, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Untreue gegen den Mann. Der MDR fordert von ihm und seinen Geschäftspartnern Schadenersatz.

Der Prüfbericht von MDR und ZDF spricht von einem ausgeklügelten kriminellen System. Maßgeblich begünstigt worden sei dies durch die Sonderstellung des Herstellungsleiters, der bei wechselnden Programmgeschäftsführern eine konstante Größe des KI.KA gewesen sei. Zudem gab es laut Bericht "eine Reihe von Schwachstellen im Kontrollsystem", durch die es zu Defiziten in der Anwendung von Vorschriften kam. "Dafür sind wir verantwortlich", räumte MDR-Intendant Udo Reiter ein.

Um solche Vorfälle zu vermeiden, soll der KI.KA nun stärker organisatorisch an den MDR angebunden werden. Der Kanal werde "soweit wie möglich" als Programmbereich in der Fernsehdirektion des MDR geführt, hieß es. Eine weitere wichtige Maßnahme sei die Einrichtung einer Stelle beim Programmgeschäftsführer des KI.KA, die die Beschaffung der Produktionsdienstleistungen unabhängig von der Herstellungsleitung abwickle.

Darüber hinaus sollen die vorhandenen Ansätze zur Verhinderung von Regelverstößen, etwa der Antikorruptionsbeauftragte oder die externe Ombudsfrau, gestärkt werden. Die Gremien werden diese Veränderungen beobachten: "Wir sind uns mit dem Intendanten einig, dass wir die Anwendung und Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen nach einem Jahr überprüfen werden", sagte der MDR-Rundfunkratsvorsitzende Johannes Jenichen.