Literatur

Worüber Frauen lachen, Männer aber auch

Parallel zu der Ausstellung X-Rated, die derzeit im Me Collectors Room in der Auguststraße stattfindet, lasen jetzt drei Schriftsteller der Autorennationalmannschaft - ausnahmsweise keine Texte über Fußball, sondern über Sex. Und Lesungen, bei denen es um Sex geht, waren immer schon die lustigsten.

Es beginnt mit Norbert Kron, der aus seinem Roman "Der Begleiter" liest, in dem es um einen Journalisten und Callboy geht. Die Szenen sind deutlich, ungehemmt und immer wieder komisch. Bemerkenswerterweise lachen die Frauen im Publikum etwas lauter als die Männer. Kron hat über die deutsche Fußball-Autorennationalmannschaft (Autonama) bereits eine längere Filmdokumentation gedreht und spielt dort im linken Mittelfeld.

Gelacht wird auch bei Thomas Klupp, der aus seinem gefeierten Buch "Paradiso" vorträgt. Die Hauptfigur verirrt sich in eine Erothek und beim Anblick alter VHS-Filme erinnert er sich an die frühen Pornotage, als Sex noch freundlich war und nichts zu tun hatte mir der "deprimierenden Leistungspornografie" von heute. Auf dem Grabbeltisch entdeckt er einen Film, den er sich als Zwölfjähriger wieder und wieder mit seinem besten Freund zusammen angesehen hat. Als eines Tages die Kassette im Laufwerk des elterlichen Videorekorders feststeckte, ist ihnen nichts Besseres eingefallen, als das komplette Gerät direkt im Fluss zu versenken.

Liebe in der Spätverkaufsstelle

Den schönsten Text an diesem Abend aber liest Andreas Merkel. Eine Kurzgeschichte, in der es weniger um den Sex geht, als vielmehr um den Wunsch danach. Ein Spätverkaufbesitzer verliebt sich in seine bildhübsche Aushilfe und bittet den junger Autor aus dem Haus, den er stets nur Puschkin nennt, für ihn einen Liebesbrief zu verfassen. Es wird der beste Text seines Lebens. Zum Glück fliegt das Ganze auf. Die Aushilfe ist empört und bittet gleichfalls Puschkin, eine Antwort zu verfassen, von der sie so begeistert ist, dass sie dem jungen Dichter verfällt. Es kann so einfach sein mit der Liebe, nimmt man sie nicht zu ernst.

Als Special Guest wurde an diesem Abend Sonia Rossi eingeladen, Studentin, Teilzeithure und Bestsellerautorin. Das ist eine durchaus beeindruckende Vita für eine für eine Frau Ende Zwanzig. In ihrem Buch "Fucking Berlin" beschreibt sie ihre Erfahrungen in einem Massagesalon und sagt über die Gäste: "20 Prozent sind nett, 40 Prozent sind ekelhaft und der Rest sind richtige Arschlöcher." Manchmal sind sie auch blitzschnell, wie der Kunde, der hereinstürmt und für 20 Minuten bezahlt, doch er ist schneller, denn draußen sucht seine Frau gerade einen Parkplatz.

Die Komik lustvoller Gemälde

Mehr Zeit sollte man unbedingt der Ausstellung widmen, in deren Rahmen die Lesung stattfand. X-Rated zeigt Bilder des Amerikaners William N. Copley, die 1974 in den USA zu sehen waren und nun erstmals in Europa zu bewundern sind. Gemälde, die die Lust zeigen, explizit, doch alles andere als ordinär. Sie strahlen vielmehr unbekümmertes Glück aus und hemmungslose Freude. Dass die dargestellten Frauen fast alle diesen Fußballbusen haben, der mittlerweile in den entsprechenden Kliniken recht günstig zu haben ist, verleiht den Bildern eine zusätzliche Komik. Auch ein paar Playboy-Magazine aus den Siebzigern liegen im Raum herum, eine Zeit, in der die Frauen noch unscharf waren.

Im Nebenraum gibt es neue Werke von Andreas Slominski, derb und auch ein bisschen kitschig. Während der Betrachter vor Copleys Bildern still vor sich hin lächelt, darf er hier lauthals lachen. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Anfang Mai. Im April bereits erscheint die zweite Anthologie der Autornama: "Fußball ist unser Lieben". Wie es der Titel schon verrät, geht es dann wieder um die andere wichtigste Sache im Leben.

Fußball ist unser Lieben , Hrsg: Albert Ostermaier, Norbert Kron, Klaus Cäsar Zehrer, Suhrkamp Verlag, April 2011.

X-RATED , William N. Copley und Andreas Slominski. Me Collectors Room Berlin, Auguststraße 68, Mitte. Di-So 12-18 Uhr