Trauermusik

Philharmoniker gedenken der Opfer in Japan

Mitunter scheint es, als gäbe es eine Altersweisheit des Taktstocks. Der 82-jährige Haitink besitzt sie.

Wie er den Orchesterfuror des monumental viersätzigen Klavierkonzerts von Johannes Brahms durchsteuert, dabei seinen prachtvollen Solisten Leif Ove Andsnes nach Kräften unterstützt, kommt einer musikalischen Großtat gleich und wird in der Philharmonie entsprechend gefeiert.

Es ist eine atemberaubende Überlieferung musikalischer Verrücktheit, dass Hans von Bülow und Brahms, wenn sie gemeinsam auftraten, erst vor dem Schritt auf das Podium herausknobelten, wer von ihnen nun dirigieren, wer Klavier spielen würde. Immerhin belegt die Geschichte, welch ein großartiger Pianist Brahms gewesen sein muss. Wie im nebenbei hebt Andsnes das deutlich heraus, er spielt mit Feuer und Seele.

Mit einer traurigen Überraschung hatte der Abend begonnen: mit der Trauermusik für Streicher von Witold Lutoslawski, von den Berliner Philharmonikern den Opfern der japanischen Katastrophe gewidmet. Danach erst kam Lutoslawskis 1. Sinfonie zu Gehör, erst gegen Ende seines Lebens geschrieben: ein Alterswerk voller Wissen und Neugier. Der Komponist gibt von Zeit zu Zeit einigen Orchestermitgliedern Gelegenheit zu improvisieren, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wie's weitergehen soll. Das gibt dem großen sinfonischen Apparat einen ganz neuen Spielcharakter, ohne die Ernsthaftigkeit des Stückes auch nur zum Geringsten in Frage zu stellen. Das musste natürlich ein Vollblut-Orchester wie die Philharmoniker reizen.