Ausstellung

Die Malerei lebt: Berlinische Galerie ehrt Bernard Frize

Er sei, hat der Künstler Bernard Frize Mitte der siebziger Jahre gesagt, ein Sonntagsmaler. Klingt nicht gut, doch Frize verwies damals nur ironisch darauf, wie es um das Medium Malerei stand: nicht gerade gut. Sie galt als anachronistisch, Skulptur und Installation, von Minimalismus und Konzept geprägt, waren auf dem künstlerischen Siegeszug.

Malerei war spießig, eine Tradition, die keiner mehr wollte. Und da kam Frize daher, er sah die Farbe als Material, den Pinsel, dick oder dünn, als Werkzeug und sich selber herrlich unkompliziert als Handwerker. Der Malvorgang ist Thema, und wenn man so will, die Technik sein Stilmittel: egal ob er die Leinwände farblich in Raster, Schlieren, Schlingen, Kreise, Flechtmuster oder Quadrate zerlegte. Bei ihm ist es tatsächlich die Farbe, die bis heute im Mittelpunkt seiner Arbeit steht: mal pastos wie dicke Zahnpasta, mal fließend-leicht oder kompakt und reliefartig.

Der Zufall, die spontane malerische Geste spielt dabei eine Rolle. In manchen Werkgruppen lässt der Franzose es einfach bunte Tropfen "regnen". Für Serien wie "Suite Segond" ließ er auslaufende Farbtöpfe auf der Leinwand stehen, diese kreisrunden, dennoch porösen Farbreste schnitt er später kurzerhand aus und collagierte sie als Farbkörper auf einer neuen Leinwand. Die Materialität von Farbe wird hier richtig greifbar. Das mit Harz überzogene Tableau "Brent" wirkt psychedelisch in seinen verfließenden, sanft auslaufenden Farbströmen - hier hat der Künstler gleich mehrere Pinsel im Verbund über die Leinwand geführt. "Opa" ist eine Graffiti-Skulptur, die aussieht wie der Pariser Metro-Plan in Nebel getaucht.

All diese Spielarten malerischer Intervention sind nun in der Berlinischen Galerie in einer kleinen, feinen Ausstellung zu sehen, für die Frize gestaltungstechnisch eine "Carte blanche" hatte. Mit Frize, 1949 geboren in der Nähe von Paris, seit seinem DAAD-Stipendium Anfang der Neunziger Jahre Wahlberliner, wird einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer abstrakter Malerei mit dem Fred-Thieler-Preis ausgezeichnet. Seine erste Einzelpräsentation in Berlin. "Eine Hommage an die Malerei", sagt Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, "trotz starker Dominanz von Video und Film." "Hier geht es ums mehrfache Schauen, das lange Hinschauen, das verlangt die Malerei", findet Friedrich Meschede, einst DAAD-Chef, der Frize damals für das Stipendium nach Berlin holt. Eines kann sich Bernard Frize auf die Leinwand schreiben: Malerei stirbt nie! Dafür ist er das beste Beispiel.

Berlinische Galerie , Alte Jakobstr. 124-128. Kreuzberg. Tel. 78 902 600. Mi-Mo 10-18 Uhr. Bis 6. Juni.