Buchvorstellung

Jörg Thadeusz hat's raus: "Glück bei Frauen ist planbar"

"Du hast das Buch vollkommen falsch gelesen", sagt Jörg Thadeusz irgendwann zu der Moderatorin der Vorstellung seines neuen Buches im Wintergarten Varieté. "Es ist Unterhaltungsliteratur, Bettina, kein Lebensratgeber!"

Bettina heißt Rust mit Nachnamen - vom "Erfolgssender Radio1" - und weil die beiden sich schon länger kennen, ist die Sticheldichte an dem Abend für die beiden wohl okay so. Dazu musiziert Mark Scheibe am Klavier und Sopranistin Kristina Jean Hays singt und dann erfährt der Zuschauer noch, dass Thadeusz einen Kater hat, dem er jedoch keine Enthaarungskugeln zufüttert. Er erfährt, dass seine Freunde froh sind, wenn Thadeusz gerade nicht an einem Buch schreibt und dass die RBB Intendantin Fan ist, denn die ist auch da, so wie einige Menschen, die für die Romanfiguren Pate standen.

Es ist das fünfte Buch des beliebten Journalisten und Moderators. Wovon die "Die Sopranistin" handelt, wird nicht ganz klar. Viele Protagonisten, viele Handlungsstränge und -orte. Es geht um einen Terroranschlag bei einem Fernsehpreis, um einen Friseur in Washington, eine Sopranistin, die "fest" ist und einen "einfacher gestrickten" Polizisten, der sich in eine Baumarktmitarbeiterin verguckt hat. Irgendwie so. Vor allem geht es aber wohl darum, dass Thadeusz, der Grimmepreisträger, die Personen und Absurditäten seines großzügig angelegten Alltags neu zusammensetzt. Dafür hat er sogar ein Praktikum bei einem Friseur auf dem Kudamm gemacht, den Rest konnte er in seinem beruflichen Umfeld beobachten.

"Das Buch hat so viele Botschaften, deswegen ist es fast schon ein Almanach", so Rust auf dem roten Plaudersofa und zählt diese auch gleich auf: Kinder aus reichen Familien haben eine kompliziertere Beziehung zu ihren Eltern. Man soll keine Päckchen von fremden Menschen annehmen. Und man soll seinen Traum leben, bevor es zu spät ist.

Deswegen jetzt zu glauben, dass das Thadeusz Buch vielleicht wie Hera Lind für schlauere Menschen sei, ist natürlich recht gemein, vor allem weil der Autor an diesem Abend nur vier Blöcke gelesen hat, die einzig einen kleinen Einblick boten. Diese machten jedoch neugierig auf mehr. Etwa dann, wenn Thadeusz Seitenhiebe auf Regisseure oder schauspielernde Schauspielkinder verteilt, wenn er den stotternden Polizisten als Eigentherapie Ringelnatz zitieren lässt oder wenn sich seine Sopranistin über Zuhörer beklagt, die Beethoven nur hören wollten, um sich zu vergewissern, dass sie noch zu einer Kulturnation gehörten. Dann ist Thadeusz so wie ihn alle lieben, witzig, bissig und dennoch nicht bösartig. "Das Glück bei Frauen ist planbar", schreibt Thadeusz auf der ersten Seite seines neuen Buches. Humor ist es wohl auch.