Podiumsdiskussion

Die Meuterei in der Kunstszene geht weiter

Das hätten sich die Initiatoren des Offenen Briefes "Haben und Brauchen", der seit Januar gegen die von Klaus Wowereit ins Leben gerufenen "Leistungsschau" junger Kunst mobil macht, kaum träumen lassen.

Über 2300 Unterzeichner hatten sie in kürzester Zeit gewonnen, der Protest gegen das Leuchtturmprojekt des Regierenden Bürgermeisters hat im Wahljahr eine breite Basis erreicht, was sich auch am Freitagabend auf der vom Stadtmagazin "Zitty" initiierten Podiumsdiskussion "Was braucht die Kunst?" im Hebbeltheater zeigte.

Der Saal war prall gefüllt. Kein Wunder, hatten sich doch die maßgeblichen Akteure der Debatte zum Schlagabtausch getroffen: Mit Florian Wüst und Ellen Blumenstein vom Salon Populaire waren die Initiatoren des Offenen Briefes geladen, für die Berliner Institutionen stand stellvertretend Gabriele Horn von den Kunst-Werken, Angela Rosenberg, die bis vor kurzem für das Management der Temporären Kunsthalle zuständig war, brachte ihre Erfahrungen mit ein und Torsten Wöhlert, Sprecher der Senatskulturverwaltung, versuchte verzweifelt die in "Based in Berlin" umgetaufte Leistungsschau, die im Sommer stattfindet, zu verteidigen.

In dieser Runde allerdings mit wenig Erfolg, denn auch dieses Streitgespräch, das Claudia Wahjudi, Kunstredakteurin der "Zitty", gemeinsam mit dem Historiker und Journalist Michael Sontheimer diszipliniert moderierte, offenbarte einmal mehr die Kluft zwischen Kulturpolitik und Kunstszene. Angesichts der hitzigen Stimmung im Saal ist eines sicher: Die Debatte geht weiter.