Ottomeyers Nachfolge

Beim Deutschen Historischen Museum geht die Personalsuche zu Ende

Das Deutsche Historische Museum (DHM) ist ein Erfolgsmodell. Über 900 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Zeughaus und den benachbarten Pei-Bau. Damit ist der Einrichtung ein Spitzenplatz im Berliner Museums-Ranking sicher. Man kennt das aus eigener Erfahrung: Wer Austauschschüler zu Gast hat, die sich zumindest etwas für die jüngste deutsche Geschichte interessieren, geht gern mit ihnen ins DHM, wo auch die Zeit vor der Wiedervereinigung anschaulich präsentiert wird.

Ein VW-Käfer symbolisiert die Wirtschaftswunderjahre der Bundesrepublik, gegenüber steht ein Trabant, das Standard-Modell für die kollektive Motorisierung in der DDR. Steht man vor beiden Fahrzeugen, fallen einem schnell hübsche Anekdoten ein.

Als Lieferant lustiger Geschichten profiliert sich in diesen Wochen allerdings das Museum selbst. Weil die politischen Verantwortlichen gezögert und gezaudert haben. Jetzt hat das renommierte Haus ein akutes Leitungsproblem. Am kommenden Dienstag verabschiedet sich DHM-Direktor Hans Ottomeyer in den Ruhestand. Nicht überraschend, denn das Datum stand eigentlich schon fest, als Ottomeyer vor knapp elf Jahren sein Amt antrat. Wann aber ein Nachfolger kommt, das ist immer noch unklar. Als Entschuldigung werden allerlei Gründe angeführt. Die letzte Bundestagswahl im September 2009 samt anschließender neuer Regierung, die Umwandlung des DHMs in eine Stiftung und die parlamentarische Weihnachtspause. Fakt bleibt aber, dass einfach viel zu spät damit begonnen wurde, nach einem Nachfolger zu suchen. Und das fällt in den Zuständigkeitsbereich von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Mit rund 20 Millionen Euro wird das Museum aus seinem Etat finanziert.

Offenbar aber gehört die Kandidatenwahl für Leitungsposten nicht zu den bevorzugten Tätigkeiten des Kulturstaatsministers. Schon die Suche nach einem Nachfolger für Joachim Sartorius, den Chef der Berliner Festspiele, kam nicht in Gang, obwohl auch hier der Tag des Abschieds lange feststand. Schließlich musste Sartorius gebeten werden, noch ein Jahr länger im Amt zu bleiben. Auch der Präsident des Bundesarchivs hat seinen Eintritt in den Ruhestand um ein Jahr verschoben. Seine Stelle ist mittlerweile ausgeschrieben worden. Nach einem Nachfolger des kaufmännischen Geschäftsführers der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH wurde erst gesucht, als der Posten schon frei war. Und jetzt auch noch das Deutsche Historische Museum.

Als die drohende Vakanz medial genüsslich ausgebreitet wurde, gab Kulturstaatsminister Neumann den Druck weiter. Die von ihm eingesetzte Findungskommission tagte bereits in dieser Woche. Wie man hört, lief diese zweite Bewerberrunde deutlich besser als die erste vor rund fünf Wochen. Die Kandidaten stellten sich im Halbstundentakt vor. Und die Findungskommission, angeführt von Neumanns Stellvertreterin Ingeborg Berggreen-Merkel, hat sich dem Vernehmen nach auf einen Kandidaten geeinigt. Sogar einstimmig. Das heißt wohl, dass Matthias Puhle, Direktor des Magdeburger Kulturhistorischen Museums und der Favorit der ersten Runde, aus dem Rennen ist.

Die Entscheidung über die Ottomeyer-Nachfolge fällt allerdings erst das Kuratorium. Das 15-köpfige Gremium mit Vertretern des Bundes und der Länder tagt am kommenden Dienstag - also am Tag der Verabschiedung des DHM-Direktors. Das ist natürlich kein Zufall. Sollte das Kuratorium den Vorschlag befürworten, dann sicherlich bis zur Verabschiedung um 18 Uhr, um das Farcehafte der Kandidatensuche abzumildern. Ob das gelingt, hängt auch davon ab, wann der oder die Neue den Ottomeyer-Posten übernehmen kann. Wahrscheinlich kaum sofort, denn anders als bei Trainern im Profifußball gibt es keinen Pool von arbeitslosen, hochqualifizierten Museumsdirektoren. Um die muss man sich eigentlich frühzeitig kümmern.