Thriller

Gekommen, um zu morden: Ein Thriller im Reich des Bösen

Holger Kreitling

Der Typus des Russenbösen ist nicht totzukriegen, gleich gar nicht, wenn die Realität so viel schönes Material bietet. Der Russenböse steht mit den Füßen im Erdreich der alten Ideologie, ist Superkapitalist, benimmt sich wie der selbstherrliche Viehbaron des Western und bleibt doch meist ein Schurke ohne Charisma, was einem Thriller selten gut bekommt.

Daniel Silvas "Oligarch" heißt Iwan Charkow, hat sein Handwerk beim KGB gelernt, verkauft Waffen an al-Qaida und liquidiert seine Feinde am liebsten selbst. Nach Sandelholz und Rauch riecht sein Rasierwasser: "Der Geruch des Teufels", erfährt der Leser. Da weiß er gleich, dass auf den nächsten 400 Seiten das Holz eher mit grobem Messer geschnitzt werden wird.

"Der Oligarch" ist die Fortsetzung von "Das Moskau-Komplott". Darin entführte Silvas Protagonist, der israelische Agent Gabriel Allon, einen russischen Überläufer sowie Frau und Kind des Oligarchen. Jetzt rächt Iwan Charkow sich, holt erst den Überläufer zurück und entführt dann Allons Frau aus Italien. Der Agent, als Gemälderestaurator in Umbrien untergekommen, trommelt seine Truppe zusammen und spinnt globusumspannend eine Intrige gegen den Russenbösen. CIA, Mossad, MI6, alle sind sie Allon verpflichtet. Und natürlich muss die Gruppe ins Reich des Bösen, um aufzuräumen.

Seit acht Büchern verfolgt Daniel Silva nun seinen Agenten, der wenig zimperlich mit Feinden umgeht. "Der Oligarch" ist sauber konstruiert, aber banal, das Handwerk ordentlich und doch zugleich erneuerungsbedürftig. All die Spione, Beamten, Killer, Agentinnen und sogar Gabriel Allon, der Held, - sie leben nicht, sie tun bloß so.

Daniel Silva : Der Oligarch. Aus dem Engl. v. Wulf Bergner. Pendo, München. 418 S., 19,95 Euro.