Theater

Entweder ganz fix schwanger - oder das Millionenerbe ist futsch

Steffie wollte nur zwei Tage bleiben, und Julia war irgendwie schon da, als Katrina in die Wohnung ihres Onkels zog. Der Zufallsgemeinschaft droht nun die Zwangsräumung: Seit einem Jahr haben sie keine Miete mehr gezahlt, und Katrina wollte doch schon vor fünf Jahren ihren Abschluss.

Der Onkel weigert sich, diesen Lebensstil weiterhin zu subventionieren. Was nun? Cristin König, Autorin und Regisseurin der "Wohngemeinschaft" im Studio des Maxim Gorki Theaters, an dem sie selbst als Schauspielerin engagiert ist, lässt Anna auf die planlos trödelige Trias los. Anna (Anja Schneider) ist ein verschüchtertes Trutschelchen im Petticoat. Ein deutlicher Gegensatz zu den zwischen Sofa und Kühlschrank abhängenden Pillenschluckerinnen, die aus Chic gelegentlich mit dem Selbstmord kokettieren. Anna wird in einem Monat 35, und bis dahin muss sie schwanger sein, um ihr Millionenerbe anzutreten. So der Wille des Vaters. Anna will lieber nicht und ist daher ausgezogen. Vor allem aber - sie hat noch nie! Katrina (Jenny Schily) wittert eine Gelegenheit. Für einen erklecklichen Millionenanteil bietet sie gern ihre Dienste an. So ein bisschen Sperma - das wird doch wohl zu organisieren sein!

Schon hängt sie am Telefon, um bei Freunden und Bekannten um eine Spende zu bitten. Die folgende Gemengelage aus monetären Interessen, Verwechslungen und Liebesgelüsten ist komödientypisch. Aber die Farce, als die Cristin König ihren Theatertext im Untertitel bezeichnet, kommt kaum in Fahrt. Gute Unterhaltung sind die eindreiviertel Stunden nicht, dafür fehlen abgedrehte Spielfreude, irrwitzige Einfälle und Tempo. Eine Satire auf die lasche Junggeneration und unser aller Lebensunfähigkeit ist "Die Wohngemeinschaft" auch nicht. Zu wenig Biss, Witz und Schärfe.

Nur wenige Szenen schlagen Funken, etwa der herrlich verklemmte Dialog zwischen Anja Schneider und Johann Jürgens: Stefan soll Katrinas Klavier abholen, das Steffie (Britta Hammelstein) heimlich verpfändet hat. Wild rollt Jürgens die Augen und zwinkert so verlegen wie verwirrt. Anna hält ihn für den Callboy, der sie im WG-Auftrag schwängern soll, und macht sich locker, zu allem bereit - hochnotpeinlich und hochkomisch.

Hilke Altefrohne steuert ihre Julia hart an die Grenze zum schrill Überdrehten und erfüllt virtuos die Genregesetze des derb-komischen Spiels. Ihrem Lover Michael (Gunnar Teuber) brüllt sie hinterher: "schwanzfixiertes sexkrankes Fickmonster", und die obszöne Übersteigerung führt im Publikum zu einigen Lachtränen. Tom (Robert Kuchenbuch), dem Sendboten des fiesen Onkels, verpasst sie zur Sanierung der WG-Finanzen einen Blow-Job. Was Julias "Hmmm" bedeutet und was sie im Mund hat, soll Katrina herausfinden. Kaum erraten, kommt Michael zur Tür herein - und Julia schluckt. Zum Würgen witzig ist das.

Doch letztlich versuppt die Inszenierung so wie die postalische Spermaspende von Katrinas Ex-Freund. Der Strom ist abgestellt, Anna trotz Schwangerschaft enterbt, alles zu spät. Die Wohngemeinschaft und der untote Ralf (Andreas Leupold), den Katrina aus Eifersucht mit einer Flasche erschlagen hat, weil sie ihn und seine Schwester Anna für ein Paar hielt, scharen sich um das Feuer im vormaligen Kühlschrank. Nicht allzu ungern folgt man ihrem kollektiven Entschluss: "Lasst uns abhauen hier".

Maxim Gorki Theater /Studio, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte.Tel. 20 22 11 15. Termine: Heute, 4. und 26. April, jeweils 20.15 Uhr.