Ausland

"Jud Süß" ist kein Propagandafilm, sagt ein Gericht in Ungarn

Nach Meinung eines Gerichts in Budapest hat der Nazi-Propagandafilm "Jud Süß" keinen "ideologischen" Inhalt und seine Vorführung ist "keine politische Veranstaltung".

Mit dieser Begründung urteilte das Budapester Arbeitsgericht in erster Instanz zugunsten eines Mannes, der den Film in Budapest gezeigt und deswegen mit seinem Arbeitgeber in Konflikt gekommen war. Dies berichtete gestern die ungarische Internet-Zeitung "index.hu". In dem Prozess ging es um einen Konflikt zwischen dem Weltverband der Ungarn (MVSZ) und dem früheren Geschäftsführer der Firma Pax Pannonia Kft., die dem Ungarn-Weltverband gehört. MVSZ hatte den Geschäftsführer entlassen, nachdem dieser 2008 eine Vorführung von "Jud Süß" in der Budapester Zentrale des MVSZ geplant hatte. Dazu hätte er nach Ansicht des Verbands die Genehmigung des Vorstands gebraucht, da es sich um eine politische Veranstaltung gehandelt habe. Der Mann klagte nun vor Gericht gegen seine Entlassung. MVSZ gilt als äußerst konservative und nationalistische Organisation.

Der antisemitische Film "Jud Süß" wurde 1940 von Veit Harlan im Auftrag der Nazis gedreht und von diesen gezielt zur Aufhetzung von SS-Soldaten gegen Juden eingesetzt. Derzeit darf er in Deutschland nur innerhalb von Lehrveranstaltungen gezeigt werden, die der zeitgeschichtlichen Bildung dienen sollen.

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