Fernsehkritik

Geballtes Backen-Mahlen von Vogel und Ferch

| Lesedauer: 2 Minuten

Es sind nicht immer nur die Schauspieler, die bei gewissen Regisseuren blind zusagen, ohne das Drehbuch zu kennen. So etwas funktioniert auch andersherum. Alfred Hitchcock etwa hat, um nur ein Beispiel zu nennen, "Über den Dächern von Nizza" aus dem einzigen Grund gedreht, um Grace Kelly in ein güldenes Barockkostüm kleiden zu können.

Ähnliches lässt sich nun auch für den ZDF-Thriller "Tod in Istanbul" sagen: Regisseur Matti Geschonneck wollte einfach einmal Heino Ferch und Jürgen Vogel gemeinsam vor der Kamera haben.

Geschonneck hat schon mit beiden wiederholt gedreht, mit Ferch etwa "Entführt", mit Vogel "Boxhagener Platz". Aber obschon die beiden Schauspieler zu den großen Zugpferden des deutschen Kinos zählen und beider Karrieren Ende der Achtziger begannen, gibt es gerade mal einen gemeinsamen Titel, "Das Leben ist eine Baustelle". Und man muss schon lange nachdenken, welche Rolle Ferch da gespielt hat, so klein ist sie. Die beiden mal gleichberechtigt nebeneinander - das hätte in der Tat längst geschehen müssen, das wirkt im Nachhinein wie eine Unterlassungssünde. Für Geschonneck war es der "Ur-Gedanke" für seinen Film.

Ferch spielt darin einen Kommissar, der einen türkischen Straftäter nach Istanbul überführen muss und einen Anruf von seiner Geliebten erhält, die sich seltsamerweise ebenfalls dort aufhält. Das wirkt sehr konstruiert, wirft einige Fragen auf. Doch die kann sie nicht mehr beantworten: Sie liegt tot in dem Hotelzimmer, in dem er sie treffen sollte. Zurück in Deutschland, will der Kommissar Klarheit. Wer hat sie umgebracht? Und wer hat ihn in die Türkei geschickt? Dabei taucht immer wieder eine BKA-Beamtin (Ina Weisse) auf, die ihre Hände stets tief im Trenchcoat vergräbt, also ein Geheimnis hüten muss. Und auch ein rätselhafter Undercover-Agent (Vogel), von dem bald klar wird, dass er der Mann der Toten - und ebenfalls in Istanbul war.

Es geht um illegalen Waffenhandel, um die Angst vor einem atomaren Iran und Bandenkriegen in der Türkei, die sich bis in die Bundesrepublik erstrecken. Und das ist alles ganz schön viel für diesen Film, in dem wenig gesagt, aber viel verbissen geguckt wird. Heino Ferch hat für solche Fälle immer ein probates Mittel parat: das Mahlen seiner Backen. Dann weiß man, jetzt arbeitet es in ihm. Jürgen Vogel aber kann das auch. Und wie sie so zusammen mahlen, wie sie dabei von Gegnern zu Verbündeten werden und doch die kleinen Verlierer im globalen Getriebe und Geschiebe bleiben, das allein lohnt diesen etwas schwerfälligen Thriller dann doch.

Tod in Istanbul Heute, ZDF, 20.15 Uhr