Kunst

Symposium zur modernen Collage in den Künsten

Vor einer Woche hätte kaum einer sich vorstellen können, in welch pikantes Licht die Technik des Copy und Paste gesellschaftspolitisch gerückt werden würde. Auf dem Symposium mit dem klingenden Titel "Manifesto Collage", das am Freitag ganztägig in der Berlinischen Galerie stattfand, fiel - zum sichtlichen Vergnügen der etwa hundert versammelten Gäste - dann auch gleich das Stichwort vom Freiherrn zu Googleberg. Danach wandte man sich ernsteren Themen zu.

Das Symposion, mit dem die Berlinische Galerie, wie ihr Direktor Thomas Köhler verkündete, eine Veranstaltungsreihe mit Diskussionen über das Zeitgenössische und Kunst der Moderne starten möchte, entstand in enger Zusammenarbeit mit der About Change Collection, eine durchaus sinnvolle Kooperation, da der Schwerpunkt der Sammlung von Christiane zu Salm auf der Collage liegt, während in der Berlinischen Galerie die wichtigen Nachlässe von den Dada-Größen Raoul Haussman und Hannah Höch verwahrt sind.

Auf der Veranstaltung mit illustren Rednern wie dem renommierten Museumskurator und Max-Ernst-Kenner Werner Spies, dem Journalisten und Schriftsteller, Henning Ritter, dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp, Ernest Wichner, dem Leiter des Literaturhauses Berlin, und Künstlern wie Martha Rosler wurde dann auch das ganze Spektrum der Collage ausgelotet: ihre historischen Wurzeln bei Max Ernst, den Dadaisten und Surrealisten, sehr unterhaltsam im Anekdoten gespickten Expertengespräch zwischen Werner Spies und Hennig Ritter, dann Körpercollagen im 20. Jahrhundert und als künstlerische Praxis im 21. Jahrhundert. Tatsächlich stellt sich die Frage, ob nicht die Collage als ästhetische Form der heutigen Realitätserfahrung am ehesten entspricht: Fragmente von Realität stehen unverbunden, oft unversöhnt nebeneinander, Sinngebung unmöglich. Frühe Collagisten wie Max Ernst, waren sich dieser Radikalität des Mediums schon im letzten Jahrhundert bewusst und trieben die Widersprüchlichkeit unterschiedlicher Kontexte und Materialien auf die Spitze. Für zeitgenössische Künstler wie Martha Rosler ist die Collage das Medium, mit dem sie kritisch der Bilderflut begegnet, für sie ist die Collage "Symptom, Strategie und Form des Widerstands".