Theater

Wenn sich die Leichen im Keller stapeln

Er ist nicht Cary Grant. Aber er hat Cary Grant schon mal seine Stimme geliehen. Ottokar Runze übernahm als Synchronsprecher den Part des Mortimer Brewster in der (zweiten) deutschen Fassung von "Arsen und Spitzenhäubchen". Jetzt hat der 85-jährige Runze diesen Dauerbrenner inszeniert - an Dieter Hallervordens Schlossparktheater.

Der Hausherr übernimmt eine kleine Nebenrolle und darf am Ende als einziger tatsächlich von jenem Holunderwein kosten, mit dem die netten alten Tanten Abby und Martha betagte Herren dank einer delikaten Giftbeimischung ins Jenseits befördern - aus Nächstenliebe versteht sich, weil die ja so schrecklich einsam sind. Der Witz besteht darin, dass sie diese Morde keinesfalls als Verbrechen, sondern als Akte puren Gutmenschentums ansehen. Als ihr anständiger Neffe Mortimer einen soeben Vergifteten in der Truhe unter dem Fenster entdeckt, versuchen sie erst gar nicht einen Hehl aus den anderen 11 Leichen im Keller zu machen.

Mit etwas Fantasie und einer guten Portion schwarzen Humors könnte man das als originellen Lösungsvorschlag für die Probleme unserer rapide alternden Gesellschaft durchgehen lassen, als bitterbösen Kommentar auf die Sterbehilfedebatte oder als Parodie über die Relativität von Moral- und Wertmaßstäben. In Runzes liebevoll altmodischer Inszenierung deutet allerdings nicht die winzigste Anspielung darauf hin, dass man auf der Bühne um das Hier und Heute oder auch nur ein Außerhalb dieser Brooklyn-Idylle weiß. Da wird am Anfang auf den 2. Weltkrieg angespielt und ein Hitler-Witzchen gemacht. Und das wird, ebenso wie die offenbar zeitlos funktionierenden Gags über die Übel der Theaterkritik, vom Publikum wohl goutiert. Überhaupt herrscht durchgehende Fröhlichkeit im Parkett.

Und tatsächlich: Hat man sich erst einmal mit der Tatsache abgefunden, hier im Theatermuseum zu sitzen, kann man das Ganze durchaus genießen. Denn gut gemacht ist das allemal - von Momme Röhrbeins detailgenauer Bühne mit Mustertapete, Antik-Schreibtisch und Wählscheiben-Telefon über die historischen Kostüme von Suse Braun bis zu den Schauspielern, die sich die Dialog-Perlen flott und wohl pointiert zuspielen. Runze hat auch alle Nebenrollen sorgsam ausinszeniert und kann dabei mit einigen Fernsehbekanntheiten aufwarten. Brigitte Grothum und Dagmar Biener spielen die mörderischen Schwestern Brewster mit jenem blauäugigen Charme des abwesenden Unrechtsbewusstseins, den es braucht, um Mortimer zur Weißglut zu treiben. Und dieses Außer-sich-Geraten ist bei Tilman Günther bestens aufgehoben, der dafür die Beine weich werden oder die Gesichtszüge kurz entgleiten lässt. Wer also keine weitergehende Abgedrehtheit oder Verheutigung erwartet, dem sei der Weg ins Schlossparktheater empfohlen.

Schlossparktheater , Schloßstr. 48, Steglitz, Tel. 78 95 66 71 00. Termine: 26.-28.2., 20 Uhr.