Film

"Green Wave" blickt auf den Aufstand im Iran zurück

Es ist der Film der Stunde. Vor einer Woche gewann der iranische Film "Nader und Simin, eine Trennung" den Goldenen Bären der Berlinale, auf der mit einem leeren Jurysessel des inhaftierten iranischen Filmemachers Jafar Panahi gedacht wurde. Nun läuft "The Green Wave" im Kino, ein Dokumentarfilm über die Freiheitsbewegung im Iran.

Gedreht von dem deutsch-iranischen Regisseur Ali Samadi Ahadi ("Salami Aleikum") als Reaktion auf den offensichtlichen Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen im Sommer 2009 zeichnet der Film nach, wie in wenigen Wochen die Grüne Welle, eine friedliche Bewegung benannt nach den grünen Tüchern und Fahnen, mit denen sich die meist jungen Iraner zu erkennen gaben, mit systematischer Gewalt, Morden und Folterungen niedergeschlagen wurde.

Mit Mobiltelefonen und Digitalkameras wurden Demonstrationen und später die Gewaltexzesse der Milizen gefilmt, unzählige Blogger haben die Welt über Facebook, Twitter und Youtube über die Lage im Iran auf dem Laufenden gehalten und so an der öffentlichen Zensur vorbei Informationen aus nächster Nähe geliefert. Die Amateuraufnahmen von den Straßen Teherans, vom Fußballstadion, in dem Tausende den gemäßigten Oppositionskandidaten und Hoffnungsträger Mir Hossein Mussawi feierten und aus den Wahllokalen sind oft verwackelt und unscharf, zeigen aber unmittelbar und authentisch Bilder, die den ausländischen Medien verwehrt blieben. Ahadi sammelte diese Videos und Augenzeugenberichte, jede Information, die er online aus dem Iran finden konnte. Ahadi kombiniert sie mit Interviews, die er mit iranischen Journalisten, Intellektuellen und Geistlichen im Exil führte, darunter die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi, UN-Ankläger und die Journalistin Mitra Khalatbari, die die Geschehnisse einordnen und zum Teil vor ihrer Flucht selbst miterlebt haben. Eine dritte Ebene des Dokumentarfilms, und die ambivalenteste, sind die Berichte der Blogger. Aus verschiedenen Quellen werden die Geschichten zweier fiktiver Studenten konstruierte und mit Animationsszenen bebildert, die anfangs etwas irritieren, weil sie für das Thema zu poetisch, fast artifiziell erscheinen. Sie erweisen sich aber dann als besonders stark, wenn von Eskalationen und Gräueltaten etwa im berüchtigten Teheraner Gefängnis keine Bilder vorhanden sind und ein Nachstellen der Szenen mit realen Darstellern reißerisch wäre. Anders als der animierte Dokumentarfilm "Waltz with Bashir" findet der Film dafür keine Metaphern, sondern zeigt das Grauen, wenn auch abstrakt und verfremdet.

Der Film ist Chronik der brutalen Niederschlagung einer friedlichen Bürgerbewegung und auch eine eindringliche Anklage gegen westliche Industrienationen, denen Atom- und Ölgeschäfte wichtiger sind als die Menschenrechte. Vieles, was Ahadi in seinen gesammelten Amateuraufnahmen zeigt, erinnert dabei an Nachrichten, die uns in diesen Tagen aus Libyen erreichen. Geschichte wiederholt sich doch zuweilen.

Sonntag wird Regisseur Ali Samadi Ahadi zu Publikumsgesprächen in drei Kinos erwartet: 13 Uhr im Kino Hackesche Höfe, 18:30 Uhr im Lichtblick und 20 Uhr im Moviemento.