Museen

"Die weitere Nutzung des Alten Museums ist unproblematisch"

Seit 2003 ist Andreas Scholl Direktor der Antikensammlung Berlin, er verantwortet damit die Präsentation antiker Kunst und Kultur im Alten Museum. Gabriela Walde sprach mit dem Archäologen.

Berliner Morgenpost: Für welchen Zeitraum ist diese Dauerausstellung geplant? Denn die Sanierung des Alten Museums steht ja noch an.

Andreas Scholl: Mit dieser Neupräsentation der griechischen Sammlung ist die ständige Ausstellung der Antikensammlung im Alten Museum nunmehr vollständig. Ich denke, sie dürfte etwa zehn Jahre Bestand haben. So lange, bis man weiß, wie es mit dem Gebäude und der Sanierung weitergeht. Das aber ist eine strategische Entscheidung, die der Präsident der Stiftung treffen und aushandeln wird. Vor dem Hintergrund, dass das Alte Museum nicht so marode ist wie das Pergamonmuseum, scheint mir eine weiter Nutzung in den nächsten Jahren unproblematisch zu sein. Die Bauarbeiten im Pergamonmuseum beginnen 2013 beim Nordflügel.

Berliner Morgenpost: Wann rechen Sie mit dem Anschluss des Alten Museums an die Archäologische Promenade, die die Sammlungen auf der Museumsinsel zusammenführen soll?

Andreas Scholl: Ich denke, das sollte man aus einem Guss machen. Erst renovieren und anschließen am Fundament arbeiten, das kann nicht funktionieren und macht keinen Sinn.

Berliner Morgenpost: Der Superstar der Museen ist das Neue Museum mit der Nofretete, gefolgt vom Pergamonmuseum. Seit Nofretete ausgezogen ist in, ist die Besucherzahl verständlicherweise gesunken, von über einer Million auf rund 500 000.Wie wollen Sie ihre Position bei den hochkarätigen Konkurrenten stärken?

Andreas Scholl: Wenn dann das Schloss steht, dann präsentiert sich das nach Süden orientierte Alte Museum von seiner Schauseite und wird von den vielen mit neuen U5 anreisenden Besuchern ganz anders wahrgenommen werden als heute. Auch die James-Simon-Galerie als neuer Hauptzugang zur Museumsinsel öffnet sich ja nach Süden und wird den Verlauf der Besucherströme verändern.

Berliner Morgenpost: Sie feilen an einem neuen Pädagogikprogramm, auch räumlich.

Andreas Scholl: Museumspädagogik hat bei uns einen großen Stellenwert und muss gerade im Blick auf Kinder unterschiedlichen Alters intensiviert werden. Wir haben einen Didaktikraum neu eingerichtet, auch ein Pädagogikzentrum mit multimedialen Angeboten ist im letzten Raum des Obergeschosses vorgesehen. Wir stellen uns hier ganz neu auf, bislang gab es nur Audiguides für Erwachsene, jetzt wollen wir Audio- Kinderführungen entwickeln nach altersspezifischen Bedürfnissen.

Berliner Morgenpost: Wie sieht es mit der Archivierung und Digitalisierung der Kunstwerke aus?

Andreas Scholl: Hier haben wir große Fortschritte gemacht. Im April sind wir mit unserer über 8000 antiken Bronzen umfassenden Sammlung online. Ende nächsten Jahres werden unsere 4400 antiken Skulpturen (inklusive aller wichtigen Fragmente) archäologisch neu erschlossen im Internet für Jedermann zugänglich gemacht. Gedruckte Auswahlkataloge zu den wichtigsten Beständen wird es jedoch auch weiterhin geben.