Boulevard der Stars

Der ewige rote Teppich für Berlin

Für Marlene, Wim und Bruno reicht die Zeit gerade noch. Auch wer zwischen Cinestar und Cinemaxx in wenigen Minuten hin- und hereilen muss, schafft es, Marlene Dietrich, Wim Wenders und Bruno Ganz zu sehen. Diese drei Stars sind nämlich auf dem Boulevard der Stars so angelegt, dass sie bequem beim Überqueren der Ampel angeschaut werden können.

Doch irgendwie hat es dieses "wachsende Denkmal" mitten auf der Potsdamer Straße schwer. Die meisten Menschen laufen einfach vorbei an den dort verewigten 40 deutschen Stars, also den 40 Sternen, die in einen dunkelroten Fußweg eingelassen sind. Nur wenige Passanten schauen in die bronzenen Fernrohre, durch die man Miniatur-Versionen dieser Filmgrößen erkennen kann.

Einer der Interessierten ist Gérome Enez-Vriad aus Frankreich. Er ist am Sonnabend ins Cinestar gegangen, um sich den koreanischen Film "Hi-So" anzuschauen. Auf dem Weg zum Berlinale Palast stellte er sich neben die Schauspielerin Hanna Schygulla und legte ihr seinen Arm um die Schulter - um das zu erkennen, musste seine Freundin durch das Bronzefernrohr schauen. "Ich mag diese Idee mit den Sternen", sagt er. "Es ist zwar etwas schmutzig geworden über die Tage, aber die Sterne sind noch gut zu erkennen.

Andere sind mit dem Denkmal nicht ganz so zufrieden. Dominic Raacke, erfolgreicher deutscher Schauspieler, wohnt, wenn er in Berlin ist, immer am Potsdamer Platz. "Von meinem Hotelzimmer aus habe ich immer einen guten Blick auf den Boulevard", sagt er. "Von oben sieht er inzwischen einfach nur grau aus." Außerdem lade die Position zwischen den beiden stark befahrenen Straßen nicht gerade zum gemütlichen Flanieren ein.

Die Berlinale war so etwas wie der Härtetest für den Boulevard der Stars. Tausende Filmfans aus der ganzen Welt am Potsdamer Platz, doch nur wenige von ihnen interessieren sich für die bekannte ostdeutsche Schauspielerin Angelika Domröse oder den großen Berliner Filmarchitekten Jan Schlubach. Nur wenige sind in den vergangenen zehn Tagen zum Stern von Regisseur Billy Wilder oder dem von Schauspielerin Romy Schneider gepilgert, um ihnen den Arm um die Schulter zu legen.

Doch der Boulevard, der erst im September vergangenen Jahres eingeweiht wurde, soll weiter wachsen. Jährlich werden zwischen sieben und zehn neue Persönlichkeiten dort mit einem Stern auftauchen, ausgewählt von einer strengen Jury, die aus mehreren Institutionen wie der Stiftung Deutsche Kinemathek und der Deutschen Filmakademie besteht.

Wie richtig die Jury liegt, zeigt sich, wenn in Berlin viel Schnee fällt. Wirkliche Fans machen sich dann die Mühe und graben so lange, bis der Stern wieder scheint. Beim letzten Schnee glänzte nur einer: Marlene.