Wettbewerb: The Forgiveness of Blood

Albanien ist leider ein Land für alte Männer

Für die zahlreichen Tierfreunde des Filmfestivals sei vermerkt, dass diesmal wieder ein Pferd eine tragende Rolle spielt. So geht der Wettbewerb ordentlich zu Ende, wie er angefangen hat, nämlich auf dem Rücken eines Rosses.

Das albanische Pferd wird als stark und arbeitsam gepriesen, es trägt den Namen Klinsman. Das muss deutschen Zuschauern gut gefallen, man hat ja zuletzt wenig von Klinsman gehört.

"The Forgiveness Of Blood" ist ein starker Film aus Albanien. Der 17 Jahre alte Nik (stark gespielt von Tristan Halilaj) lebt auf dem Land, er träumt vom Internetshop und von einem Mädchen. Sein Vater liegt im Streit mit einem anderen Clan, bald geschieht ein Mord und löst eine Blutfehde aus. Nik und sein kleiner Bruder müssen fortan im Haus bleiben, für Wochen, Monate, vielleicht für Jahre. Der Vater hat sich irgendwo versteckt. Das Leben gerät aus der Bahn, die ältere Schwester liefert fortan mit dem Pferdewagen Brot aus. Die alten Männer diskutieren viel über Ehre, Schuld, Blut, die Frauen haben nichts zu melden. Albanien: a country for old men .

Der amerikanische Regisseur Joshua Marston beobachtet sehr genau die Sitten und Abläufe. Indem Niks wachsende Verzweiflung und Wut geschildert werden, breitet der Film eine Welt aus, die von archaischen Bräuchen und Gesetzen bestimmt wird, während die Jugendlichen mit Facebook, Playstation und Mobiltelefonen hantieren. Einmal tritt ein Vermittler auf, der zwischen den Familien Frieden schließen soll. Er habe die Erfahrung von 47 Blutsfehden, zu denen er gerufen wurde, erzählt der Mediator. Niks Verwandte lehnen ihn ab. Es sind Männer, die sich auf Tradition und Gewalt berufen. Sie klammern sich an ihre Riten, weil sie zu wissen scheinen, dass sich die Welt schneller wandelt, als ihnen lieb sein kann. Und je länger die Isolation dauert, umso stärker schält sich ein Vater-Sohn-Konflikt heraus.

"The Forgiveness of Blood" ist spannend erzählt. Seine Tiefe und Unausweichlichkeit wird keineswegs nur behauptet. Anders als bei vielen Wettbewerbsbeiträgen will man tatsächlich wissen, wie es ausgeht. Nik sucht die Entscheidung über sein Leben. In der - kleinen - Hoffnung, dass der Film ins Kino kommen wird, schweigen wir hier. Alte Filmkritikertradition, wissen Sie?

Heute, 9.30 Uhr und 20.30 Uhr, Friedrichstadtpalast, 22.30 Uhr, Urania 22.30 Uhr; 20.2., 22.30 Uhr, International