Interview mit Diane Kruger

"Man braucht keine Angst vor mir zu haben"

Berliner Morgenpost: Sie spielen in "Unknown" eine bosnische Flüchtlingsfrau. Haben Sie sich Gedanken zur Fremdenpolitik gemacht, wie Migranten hierzulande aufgenommen werden?

Diane Kruger: Das ist auch in Amerika ein Riesenthema. Und ich kann mir gut vorstellen, wie es ist, in einem Land zu leben, wo man ständig den Kopf unten halten muss. Wie es ist, überleben zu wollen, obwohl man keine Chance hat, legal Arbeit zu finden, weil man keine Papiere hat. Das hat mich auch an dem Film interessiert, weil es ihm eine Tiefe und Komplexität gibt, die anderen Actionthrillern oft fehlt.

Berliner Morgenpost: Ihre Migrationserfahrung ist weitaus positiver. Sie zogen als Model nach Paris und lebten viele Jahre in New York. Was bedeutet Heimat für Sie?

Diane Kruger: Deutschland wird auf eine Art immer meine Heimat bleiben. Hier wurde ich geboren, meine Familie lebt hier. Aber ich bin seit 17 Jahren aus Deutschland weg und fühle mich heute am meisten in Paris zu Hause. Dort gab man mir die ersten Chancen als Schauspielerin, trotz meines Akzents. Ich möchte aber nicht als französische oder deutsche Schauspielerin empfunden werden. Mein Traum ist es, als internationale Schauspielerin wahrgenommen zu werden, zwischen den Stühlen zu sitzen.

Berliner Morgenpost: "Unknown" ist nach "Inglourious Basterds" und "Mr. Nobody" bereits die dritte internationale Produktion, die Sie in Berlin drehen. Was macht für Sie die Stadt besonders?

Diane Kruger: Ich lerne sie mehr und mehr kennen, soweit das in drei Monaten Dreharbeiten möglich ist. Man kann hier auch privat eine gute Zeit verbringen. Und es ist eine tolle Stadt zum Drehen, sowohl von den Locations als auch wegen der Studios. Viele Crewmitglieder von "Basterds" waren auch bei "Unknown" wieder dabei, meine Fahrerin und Assistentin zum Beispiel. Die habe ich danach gleich noch zu einem französischen Film mitgenommen, den wir in Tadschikistan gedreht haben.

Berliner Morgenpost: Würden Sie auch gerne einmal in einem rein deutschen Film mitspielen?

Diane Kruger: Würde ich wahnsinnig gern, aber es hat sich bisher leider nicht ergeben. Es gab in meiner ganzen Karriere bisher erst zwei Leute, die sich trauten, mir ein Drehbuch zu schicken. Ich weiß nicht, ob man Angst vor mir hat oder keiner weiß, wie man mich erreichen kann.

Berliner Morgenpost: Wie definieren Sie eine gute Rolle?

Diane Kruger: Je älter ich werde, umso komplexere Frauenfiguren will ich spielen. Dann ist auch egal, ob das ein Action- oder ein Intellektuellenfilm ist.

Berliner Morgenpost: Apropos Action: In "Unknown" stürzen Sie in einer sehr spektakulären Szene mit Ihrem Taxi an der Oberbaumbrücke in die Spree. Wie viel war davon echt?

Diane Kruger: Der Sturz selbst war ein Stunt, klar. Und die Szene danach, wo ich Liam Neeson aus dem sinkenden Auto ziehe, haben wir in einem Wassertank in Babelsberg gedreht. Das war für mich neu, ich drehe sonst keine Actionszenen. Den ganzen Tag voll bekleidet im Wasser zu verbringen, auch wenn der Tank geheizt war, fand ich sehr anstrengend.