"Taxi Driver"

Immer die Waffe in der Tasche tragen

Was ist eigentlich aus Travis Bickle geworden, dem New Yorker Taxifahrer? Arbeitet er noch nachts? Hat er eine Waffe dabei? Zuletzt haben wir ihn im Auto gesehen. Als Donnerstagnacht nach dem Film Paul Schrader auf die Bühne tritt, trägt er einen Mantel.

Schrader (64) verbeugt sich artig, ein wenig ungelenk und schüchtern. Da erinnert er sehr an Travis Bickle, und man glaubt sofort, dass er in der Tasche jenen 38er-Colt dabei hat, den eben noch der Waffenhändler im Film als "Prachtstück" beschrieben hat.

"Taxi Driver" läuft im Friedrichstadtpalast auf der gewaltigen Leinwand. Der Film von Martin Scorsese (Regie) und Paul Schrader (Drehbuch) und mit Robert De Niro als unfassbar gutem Hauptdarsteller ist digital restauriert worden. Das Original-35mm-Negativ wurde mit einem hoch auflösenden 4K-Scanner eingelesen, dann Kratzer und Farbunstimmigkeiten beseitigt, die Bilder von Alterungsspuren gereinigt. Selten sind Pfützen und Tapetenrisse so schön zu sehen wie hier.

Paul Schrader erscheint (ohne Mantel) vor der Vorstellung und sagt, der Film sei 35 Jahre alt, von 1976 an gerechnet, als "Taxi Driver" entstand, sei es also so, als hätte man damals "Citizen Kane" angeschaut. Das ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen, auch wenn der Meisterwerk-Status unbezweifelbar ist. Schrader erzählt, wie er mit 24 Jahren an "Taxi Driver" arbeitete und bereits eine Waffe besaß. Der Film war eine Selbstbefreiung. Später, kann man nachlesen, schlief er mit der Waffe unter dem Kopfkissen, nahm sie gerne in den Mund. Der Wahnsinn steckt im Werk und in der Biografie.

Und der Film, redet er noch mit uns? Aber unbedingt!

Heute, 15 Uhr, Friedrichstadtpalast