BerlinaleSpecial: Late Bloomers

Auch Isabella Rossellini hat einen Film mitgebracht

Als ob es nicht schon genug wäre, in einem Wasserbassin zu lauter Elektro-Musik mit 20 anderen - sichtbar jüngeren - Frauen und zwei schrill bunten Übungskeulen in der Hand herumzuplanschen. Der junge Übungsleiter fordert die Frauen auch noch völlig ironiefrei auf, "den Stern" zu machen: Ein großer Sprung, bei dem die Keulen ein X bilden.

Die Sportlerinnen jauchzen begeistert, Mary verzieht das Gesicht. Als sie ihrem Mann Adam später davon erzählt, sagt sein Blick: "Was hat sie nur für ein Problem?"

Isabella Rossellini, die diesjährige Jury-Präsidentin auf der Berlinale, und William Hurt spielen das Endfünfziger-Paar in ihrer wohl letzten Beziehungskrise mit einer Überzeugung, dass nach dem Film "Late Bloomers" sicher viele die Telefonnummer ihrer Eltern wählen werden. Dabei hat der Film im Grunde einen furchtbaren Titel (übersetzt etwa: "Spätblüher" oder noch schlimmer: "Zweiter Frühling") und kommt auch nicht ohne Klischee-Situationen aus: etwa, als ein Junge in der U-Bahn für Mary aufsteht und sie sich beleidigt wegdreht. Doch insgesamt ist dieser Film eine gut recherchierte, unterhaltsam und konzentriert erzählte Meditation zum Thema in Würde altern.

Kinder - so viel ist klar - helfen dabei nicht, im Gegenteil. Adam und Mary haben bei Familientreffen drei Erwachsene vor sich, die eher auf ihre Eltern herabblicken und sich "um sie kümmern" wollen. Als ob Kinder, egal welchen Alters, je in einem Film die Beziehung ihrer Eltern retten konnten. Dabei ist es hier eher die Generation Ü-70, von der Zuschauer und Krisen-Ehepaar die Weisheiten lernen, wie "Altern ist nichts für Pussys" oder: "Es kann auch Spaß machen, den jungen Leuten zuzusehen, wie sie Fehler machen." Mehr solcher gehässigen, fatalistischen Sätze kommen aus dem Mund von Marys Mutter, die es hasst, Zeit mit ihren Urenkeln zu verbringen ("Ich habe genug Kinder in meinem Leben erzogen"). Oder sie kommen von Marys bester Freundin Charlotte, gespielt von Joanna Lumley, bekannt als kettenrauchende Trinkerin aus "Absolutely Fabulous". Regisseurin Julie Gavras zitiert immer wieder die Stimmung dieser grandiosen Londoner Comedyserie und so ist es kein Wunder, dass in "Late Bloomers" selbst ein Seitensprung wie ein Liebesbeweis für den Partner aussieht.